Falk Dübbert

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Das Kabel stirbt (aus).

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Am Freitag bin ich in Stuttgart zu meinem Auto gelaufen und mir kam ein Handwerker entgegen. An einem Arm hing die Parat-Tasche und ein Einzelteil und am anderen ein Staubsauger, ein Akku-Staubsauger um genau zu sein. Ich könnte mich jetzt länger wundern, warum er einen für seine Branche untypischen DeWalt, wählte, aber ich stellte eher mit einer Priese Zufriedenheit fest, dass meine Vorhersage, dass Kabel-gebundene Geräte bis auf wenige Ausnahmen dem Tode geweiht sind, mehr und mehr zutrifft. Die Hersteller drücken natürlich mit Bundling-Preisen ihre Systemgeräte in den Markt. Gerade Deutschland ist mit seinem Hang zum Over-Engineering ein Markt für High-End Geräte und noch funktioniert hier die Trennung zwischen Heimwerker- und Profi-Segment, während in England und Frankreich Ryobi und WorkX beide Märkte mit einer Produktschiene bespielen können.

Die „Battery-Powered first“-Entwicklung ist in USA schon deutlich weiter, weil dort z.B. mehr Gewerke parallel auf der Baustelle arbeiten (ein Haus steht dort in drei Wochen – Ja! Es ist aus Holz und Gips) und durch das höhere Chaos, der Strom zum Teil erst zu einer späten Bauphase zur Verfügung steht.

In Europa, wo wir noch Angst vor Wölfen haben, wird etwas länger gemauert. Dennoch beschleunigt der Verzicht auf Kabel bei handgehaltenen Werkzeugmaschinen die Baustelle. Dass es jetzt schon Staubsauger erwischt, deren Netzgeräte-Pendant immer noch mit Leistungen im Kilowatt-Bereich unterwegs sind, sagt einiges über das geänderte Anforderungsprofil von Handwerkern aus. Letztlich dürften auch hier Vernetzungen und Datenerfassungen von Tätigkeiten engmaschiger werden. Aber zunächst wird der Prozess von umsatzfremden Tätigkeiten befreit. Der Akkusauger braucht keine Steckdose um die Krümelei vom Tausch einer Umwälzpumpe aufzusammeln. Das sind mit dem Entfall des Kabels und der damit verbundenen Tätigkeiten bestimmt fünf Minuten Ersparnis, die bedeuten können, dass man einen zusätzlichen Kunden anfahren kann.

In der Tendenz glaube ich nicht an eine Zukunft für Geräte mit Kabel, die nicht über eine außerordentliche Leistungsdichte oder Anwendungsdauer verfügen müssen. Bei einer Bohrmaschine würde ich die Grenze beim Kronenbohren oder großen Bohrhämmern ansetzen. Band- und Exzenterschleifer oder Oberfräsen haben sicher auch noch lange Schonzeit, aber bei Hand-Kreissägen wird die Wahl schon eng, wenn man nicht gerade stundenlang Betonbinder ablängt. Die Präzision ist mittlerweile vergleichbar. Ein reiner Monteur wird sicher die Akkuversion als erstes in der Hand haben und ich sähe bei den Leistungen der Akkusäge kaum ausreichend Abstand zwischen der Akkusäge mit fast 60mm Tauchtiefe und einer kleinen Tischkreissäge. Als Heimwerker auf der Suche nach der einen Säge würde ich noch das Netzgerät wählen, aber das galt vor zehn Jahren auch mal für Stichsägen.

Der Nachteil ist der Vendor-Lock-Inn-Effekt. Ein Handwerker wird seine Tätigkeiten auflisten und neben seiner Neigung ein passendes Akkusystem wählen. Ein zweiter oder anderer Hersteller wird da viel bergauf kämpfen müssen um da einen Fuß in die Tür zu bekommen. So wie es früher HP-owned Companys gab, die vom Server über die Notebooks bis hin zu den Mäusen alles von HP kauften, gibt es im Handwerk viele Markentreue und bislang sieht man nur sehr zaghafte Versuche diese Effekte aufzulösen. Eigentlich sind die großen Marken ganz zufrieden. Allerdings sehen – selbst im europäischen Ausland- immer Handwerker ihre Maschinen als Verschleißteile an. Der gefühlte Qualitätsrückgang mit der Produktionsverlagerung an das Perlflussufer tat einiges dazu bei. Die von Opa geerbte Bohrmaschine wird man heute nicht mehr so oft erleben (aber selbst wenn: wer, außer der von zu Hause ausgezogenen jungen Dame, die gar nichts anderes hat, will sich noch ein Schrägzahn-Schlagwerk antun?). Die Hersteller sind auch durchaus dazu übergegangen, Ersatzteile-Verfügbarkeiten zu verkürzen.

Ich bin gespannt, was noch aus dem Bereich vernetzte Werkzeuge kommt, aber da ist meine Vorhersage eher so, dass noch eine Schlüsseltechnologie dazwischen fehlt, wie es das Smartphone für den PDA war.

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