Falk Dübbert macht Sachen

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Mit seiner Kamera alt werden

14. Dezember 2019

„Wenn man ein totes Pferd reitet, sollte man wenigstens für einen bequemen Sattel sorgen. Es wird ein langer Ritt.“

Eigentlich macht es keinen Sinn, sich noch weiter mit HD-Kameras aufzuhalten. Dann ist da noch der Punkt:
bq. „Wenn Du weniger erfolgreich bist als alle anderen und etwas anders machst als alle anderen, solltest Du Dir ein paar Fragen stellen und sie beantworten können.“

Fangen wir an. Aktuell versuche ich einen Workflow zu entwickeln um meinen YT-Kanal zu bespielen. Der Anspruch ist hoch. Eigentlich zu hoch. Normalerweise geht man in solche Projekte mit einem agilen Ansatz rein. Also

  1. produzieren
  2. bewerten & Feedback sammeln
  3. Änderungen aufnehmen
  4. wiederholen

Sicher macht so etwas Spaß, aber ich habe zum einen das Late-to-the-party-Problem und zum anderen sind die erkannten Probleme bislang alle im Produktionszeit/Filmminute Verhältnis. Der Versuch mit der DSLR zu filmen, ergab eine tolle Bildqualität aber hatte ein noch schlechteres Verhältnis als die bisherigen Videos und mit Verlaub gesagt habe ich lieber ein gutes 720p-Bild als ein 4k mit Fokusproblemen und schlechtem Ton.

Beim angepeilten Setting brauche ich
  • die Kamera
  • einen LED-Scheinwerfer als Kopflicht
  • ein Ansteckfunkmikrofon
  • das Richtmikro auf der Kamera als Backup für das Funkmikro, ein zweiter Anstecker für ein Buddy-Setup oder ein Handmikro für spontane Interviews unverkabelter Partner

Eine DSLR oder eine Spiegellose kann man sicher soweit riggen, dass sie das aufnehmen kann, aber ich stellte mir die Frage ob das dann benutzbar und gleichzeitig zuverlässig ist. Ich besitze ein Schulter-Rig für einen solchen Einsatz, der genügend Montagepunkte für das genannte Zubehör böte und bei dem Einsatz zeigte sich das auch durchaus benutzbar, aber die Zuverlässigkeit (in IT-Sprech sowohl „Verfügbarkeit“ als auch „Zuverlässigkeit“) leidet sehr.
Ein paar weitere Aspekte beleuchtet Chris Foremann in seinem Redshark-Meinungs-Artikel zu Frankencameras
Als echter Profi legt er den Fokus natürlich auf Zeit.

Man muss ein sehr fleißiges Bienchen sein um das Gestrüpp zu montieren und dann auch sehr wachsam seinen Fokus und seinen Audiopegel im Auge behalten. HDMI- und 3,5mm Rundstecker sind aber nichts, womit man die Kamera am langen Arm herumtragen oder im Gedränge einer Messe filmen will. Der Grund, warum ich dann mehr Material weggeschmissen habe als sonst, war zwar kein technischer, aber hing mit meiner Überforderung zusammen.

Kurz: ich bleibe auch 2020 bei meinen Dinosauriern.

Profikameras haben geradezu lächerlich große Umfänge, was die Belichtung angeht. Selbst wenn man drei Blenden daneben liegt, ist das Bild noch gut.
Der Autofokus hat sich nur ganz ganz selten für das falsche entschieden und wenn sind die Sensoren klein genug, dass man das Material bei YT trotzdem stehen lassen kann. Als Imagefilm reicht es eh nie. Dafür mietet man sich besser was in 4K.
Beim Ton habe ich XLR-Anschlüsse mit Phantomspannung und dahinter vier gute Vorverstärker mit einem PCM-Recorder, der die kleinen Modelle von Tascam und Zoom locker an die Wand spielt. Sollte der Funk-Ton nichts taugen, habe ich noch das Richtmikro und wenn beides Grütze ist, zeichnet die Kamera auf den Kanälen 3 und 4 immer noch die eingebauten Mikros auf.

Die erste Version im Sommer ohne Scheinwerfer:

Das war robust, und funktionierte.

Der Aufbau mit dem ich Interviews am Rande einer Tagung gedreht habe:

Der Magic-Arm ist aber nichts, wenn mann man die Kamera tragen und portabel nutzen will. Also:

Die Schiene oben bietet Platz für zwei Funkempfänger und einen Scheinwerfer. Änderungen:
  • Die Mikrofone bekommen ein Digital-Upgrade.
  • Der China-Scheinwerfer wir einem anderen China-Scheinwerfer (Aputure AL-MX) und unter der Schiene Platz finden.
Falk Dübbert

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Wie man Akkus rettet

27. November 2019


Da auf einen eigentlich als Blödelei gemeinten Tweet viele Fragen aufkamen, will ich kurz schreiben wie ich Akkus in, an, und für Geräte „rette“.

Ob ein Akku rettbar ist und von welcher Dauer die Maßnahme ist, hängt von der Technologie des Akkus ab.

  • Bleiakkus lagern sich in der Regel tot. Während man echte Nasszellen theoretisch ausspülen, filtern und wieder auffüllen kann, sind Bleigelakkus, die sich einmal unter 0,8V pro Zelle entladen haben, dauerhaft defekt. Es gibt keine sinnvolle Rettung, auch Impulsladeverfahren helfen nicht – Im Gegenteil: oft hat die Zelle mit der geringsten Kapazität nach Hochstromverfahren einen Kurzschluss. Tod durch Zyklenzahl habe ich nur bei den Blei-Kaugummis der Aiwa-Kassettenplayer gesehen.
  • Lithium-basierte Akkus lagern sich auch tot, aber die Selbstentladung ist so gering, dass die anderen Mechanismen, Eindringen von Sauerstoff, Kapazitätsverlust beim Laden / Entladen, Schädigung durch Temperatur etc. dominieren.
    Es ist einigermaßen gefährlich, einen LiPo- oder LiIo-Akku zu reanimieren und eigentlich nie erfolgreich. Bei tiefentladenen Akkus kann man es aber mal versuchen – die kurzfristige Überlebensrate liegt bei 50%.
  • NiMH-Akkus verlieren gerne durch schlechte Ladegeräte und unvollständige (Ent-) Ladezyklen an Kapazität. Der Effekt wird lazy-battery genannt und ist durch vollständige Zyklen fast vollständig umkehrbar. Die anderen Ausfallmechanismen (Verbrauch des Getters und der Elektroden) sind hingehen fast nie umkehrbar. Bei der Rettung unterscheiden sich RTU/LSD-Typen nicht von Hochstrom-Typen.
  • NiCd-Akkus sind die eigentlichen Zombies. Die normalen Ausfallmechanismen wirken bis hin zum Zellentod, aber ein lediglich scheintotgelagerter NiCd-Akku kann eigentlich immer wieder reanimiert werden.
  • Rettung von LiPo-Taschenzellen und LiIo-Rundzellen: Ist der Akku noch „dünn“? Wenn ja, an einem Strom-begrenzten Netzteil mit (Ladeschlussspannung – 0,2V) und (C/10), also der Kapazität in Ampere durch Stunden und durch 10 als Strom für 4 Stunden laden. Danach die Zellspannungen einzeln messen, sollten die noch beisammen sein, kann man ein normales Ladegerät nutzen. Der einzige Grund für einen weiteren Zyklus ist die Zuverlässigkeitsprüfung. Es sollte selbstverständlich sein, dass ein geretteter Akku nicht mehr geflogen werden kann.
  • Rettung von NiMH und NiCd Akkus: Zunächst lädt man mit geringem Strom, z.B. C/4 für etwa eine Stunde und misst dann nach einer halben Stunde Ruhe die Zellen durch. Abweichler nach unten lädt man noch mal einzeln nach – sonst droht eine Spannungsumkehr einzelner Zellen.
    Jetzt kommt die Stunde des Modellbau-Ladegeräts mit Zyklenautomatik. Der erste Durchlauf mit 1x Entladen und Laden erfolgt mit C/2 Laden und C/2 Entladen auf 1,0 V pro Zelle. Hierbei sollte man einen Blick auf die Spitzenspannung beim Ladevorgang werfen, sofern das Ladegerät das zulässt. Danach lädt man mit 100% und entlädt mit 67%. Fünf Zyklen sind eine vernünftige Größe. Der Akku sollte dabei zunächst sehr wenig Kapazität aufbauen. In der Regel wacht er erst nach dem dritten Zyklus auf und wird „besser“. Der Innenwiderstand nimmt ab, was man an der fallenden Spitzenspannung erkennen kann.
    Sind die ersten 5 Zyklen absolviert, kann man mit dem Ladestrom auf 150% und dem Entladestrom auf 100% hochgehen. Viele unterschätzen, wie viele Zyklen ein Akku braucht. Ich gehe mittlerweile von mindestens 30 Zyklen aus. Eine solche Behandlung lohnt sich also nur, wenn des Akku nicht ohne weiteres geknackt mit neuen Zellen bestückt werden kann. Bei Rundzellen lohnt es sich im Grunde nie.
Falk Dübbert

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