Falk Dübbert general

immer noch ein privates blog

31. Januar 2019, 14:37
von Falk Dübbert
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Mehr Flughöhe (bitte).

Der Umzug rück nah. VERDAMMT nah. Neben der beruflichen Dichte kommt jetzt für sechs Wochen also noch „keine Freizeit“ hinzu.
Ich plane fünf Phasen:

  1. Mein Hausstand ist in nach Gattung in Plastikboxen sortiert verpackt. Es gibt die Gattungen Küche, IT, Auto, Fahrrad, Elektronik, Amateurfunk, Foto/Video/HiFi, Outdoor, Sport, Papier, PA, Musik, Kleidung.
  2. Die Boxen sind einmal nachverdichtet und nur hochklassiges Material darin. Das werden dann diese Marie-Kondo-Momente.
  3. Jedes Ding hat einen festen Platz. Die Kisten sind aufgelöst.
  4. Jedes Ding ist mit Seriennummer Kaufdatum und Zubehör in der Lagerverwaltung (Tracmor oder PartKeepr – eher Tracmor, auch wenn der PHP5-Open-Source-Code schon etwas „riecht“) erfasst.
  5. Das Inventar ist reduziert. Das Lager wird nur noch für die PA, als Deadrop und als Backup-Location benötigt

Danach beginnt die „Nachverdichtung“ in meinem Leben. Jeden Monat optimiere ich abwechselnd: eine Wand oder ein Ding. „Optimieren“ kann bedeuten, dass ich etwas neu gestalte, überhole, repariere, entsorge, tausche oder aber auch ergänze. Die neue Wohnung hat 20 Wände und ich plane zusätzlich 60 größere „Dinge“ in der Wohnung zu haben, die zum Beispiel eine Seriennummer oder eine Geschichte haben. Die Unterscheidung im Technischen ist Gerät (Appliance) und Verbrauchsmaterial
Am Ende gewinne ich etwas, dass ich im Fachlichen immer mit „Flughöhe“ bezeichne. Im Fachlichen versuche ich diese Flughöhe aufzubauen und von oben die Probleme und ihr Umfeld oder, wie der neuseeländische Kollege es nannte, das „Bigga Pictcha!“ zu betrachten.
Am Ende des Prozesses will ich nicht nur die unordentlichen Verhaltensweisen abgelegt sondern auch über mein gesamtes Inventar stets den Überblick (Business-Sprech: eine Cockpit-Ansicht, auch wenn ich nicht weiß, was Kaufleute mit der Ansicht eines Cockpit wollen) haben. Mit diesem Überblick werde ich dann anfangen, pro Jahr um einen Prozentsatz zu reduzieren. Bei 20% Reduktion wäre ich nach drei Jahren auf der Hälfte. Mal sehen, ob das klappt.

6. Januar 2019, 13:13
von Falk Dübbert
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Ich schaue nicht in den Spiegel

OK. auf den Spiegel einzuschlagen hat etwas davon, auf jemanden einzutreten, der am Boden liegt. Die Arbeit der Qualitätssicherung oder Dokumentation, die wohl eher ein Opfer der Strukturen aus den 60er und dem seit Aust nicht gefixten Führungsvakuum war, ist ja nun als Problem bekannt.
Aber auch die Kuratierung der Kolumnen ist für mich seit einigen Monaten ein Problem. Sei es Fleischhauer, der von einem Merkel-Fanboy zu einem Merkel-muss-Weg-Bewohner mutierte und sich beim Verbreiten abstruser Theorien oder Fehk-Njuhs einfach nur gepflegt wegduckt, oder Sascha Lobo, dessen Kenntnisse über IT sich auf das beschränken, was man mit einem Browser oder einer App erreichen kann: wirkliche Exzellenz trifft man nicht mehr an. Berg und Stokowski paraphrasieren immer nur den gleichen Text und Fischer spielt eher aufs eigene Tor.
Das gilt auch für die Volkswirtschaftliche Kolumne von Henrik Müller. Müller prognostiziert seit etwa drei Jahren eine protektionistische Phase, die auch kommen wird, aber bleibt bei seinen Analysen auf Keynes-Niveau. Keynes ist bei Politikern wie Journalisten beliebt, weil das Wirtschaftsmodell sofort verständlich ist und vor allem, weil es ohne komplizierte Mathematik auskommt, die bei Hayek, Friedman oder gar Varian die Lektüre wenig zugänglich macht. Dann ist man allerdings in Kreislauf- und Zyklen-Modellen gefangen und glaubt eben an unabwendbare Ereignisse oder plötzliche willkürliche Entscheidungsänderungen wie Müller.
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Einem Keynesianer zuzuhören ist immer ein Vergnügen (Siehe Video), aber das Problem von sowohl Keynes als auch Hayek ist, dass beide Pre-Nash. sind. Ein Nash-Gleichgewicht lässt sich für einen Teilnehmer in einer Entscheidung noch einfach nachvollziehen und das Verhalten modellieren, aber bei einer Wirtschaft wird das auch ohne Technologie-Wandel etwas unhandlich und die Vorstellung der großer Räume könnte Teile der Bevölkerung verängstigen, wo bereits Abiturienten an einer 5×5-Matrix scheitern, wenn die abgebildeten Funktionen was anderes als linear sein sollen.

Müller sieht einen Globalisierungs-„Zyklus“. Das kann man so mal annehmen, aber er blendet den technologischen Wandel komplett aus.
Denn auch der erste von ihm beobachtete Globalisierungsvorgang wurde eher durch einen zweiten Technologiewechsel als einen willkürlichen politischen Prozess beendet. Damals wie heute kehrten die Herstellungs-Prozesse zu einem tieferen Modell zurück. Auf Dampfmaschinen aufbauende Produktionen brauchten Brennstoff und für die Transmissionen große ebene Flächen, während Stahlproduktion und Verarbeitung Wasser und Gefälle brauchte, aber die Lokomotiven noch nicht wirklich in der Lage waren Rohstoffe über Steigungen zu bewegen, was erst ab 1902 mit Compound- und Sattdampf-Dampfmaschinen in Loks gelang. Mit der Elektrifizierung ab 1900 konnte man wieder mehrstöckige Produktionsstätten, dort bauen wo Stahl vorlag und tiefer produzieren. Außerdem machte Stahlguss das Produzieren einfacher brauchte aber bis in die 1890er, bis das Verfahren „im Griff“ war.

Die Situation ist heute ähnlich. Zum einen zerbrechen gerade durch Automation und intregrale Fertigung jede Menge Gatekeeper-Funktionen der Wirtschaft, denn die neuen Herstellungsweisen und -Technologien lassen die Herstellung beliebiger Produkte in beliebiger Skalierung zu.
Noch ist zum Beispiel 3D-Druck eklig teuer, aber ich muss keine Halle, keinen Werkzeugbau und keine Pressgussmaschine haben um Kunststoffteile herzustellen. Das geht zur Not in der Garage.
Erfolgreiche Kickstarter-Projekte zeigen, wie klein der erste Push sein muss um ein Produkt zu erzeugen. Mehr Marktteilnehmer bedeuten mehr Wettbewerb. Mehr Wettbewerb bei vergleichbaren Produkten bedeutet Preis-Wettbewerb. Preis-Wettbewerb führt zu tieferer Produktion.
Tiefe Produktion gewinnt auf lange Sicht immer. In Waiblingen ist immer noch der gleiche Schriftzug am Kettensägenwerk, während in Hamburg, wo man die Motoren von Kawasaki und Komatsu Zenoah bezog der neue Eigentümer nun bereits an der Farbe erkennbar ist. Somit ist es immer seltsam, wenn ein „Sanierer“ als erstes die Kapitalintensiven Produktionsanlagen verhökert.
Gleichzeitig hat die Politik sich zum anderen schlicht geweigert, das Denkmuster Rendite-Orientierung in Schranken zu weisen. Über Jahre. Jahrzehnte. Das Ergebnis war, dass Kaufmännische Tätigkeiten und „Besitz“ seit den 60er Jahren höhere Renditen erzielten als Produktion und Herstellung.
Das Modell verlängerte Werkbank und das Versagen, diesen Dschinn mit dem Instrument von Zöllen und Steuern in der Flasche zu halten, führte zum weltweiten Export von Defizit, Armut, schlechten Arbeitsbedingungen und Arbeitslosigkeit. Das Theoriemodell von Hayek gibt die Race-to-the-bottom als Ergebnis her, aber es wurde in Deutschland von allen Regierungen seit Schmidt schlicht hingenommen, oder wegen traditionell größerer Nähe der produktionsfernen und besitznäheren Wirtschaftsakteure (antisemitische Verschwörungstheorie-Kommentare in 3… 2… 1…) zur Politik sogar aktiv gefördert.
Wenn Müller einen Investitionspakt fordert, führt es nur zu weiterem Deficit-Spending. Gerade Deutschland macht über die EZB bereits zu viel davon und auch, wenn in Frankreich gerade die Straße kocht, wird man eben zunächst die Basisdaten (Arbeitsdauer, Renteneintrittsalter) anpassen müssen, bevor „Deutschland“ noch irgendwelche Instrumente in die Hand nimmt. Man kann einfach mal die Immobilienbesitzquote nehmen, wenn man schauen möchte, wer sein Volk noch nicht genug oder nach anderer Sichtweise zuviel geschröpft oder zu höherer Mobilität gezwungen hat. Solange mit zwei skandinavischen Ausnahmen alle Nettozahler in der EU unter und alle Bezieher über dem Durchschnitt brauchen wir über weitere Haircuts oder europäische Investitionsprogramme nicht reden.

28. Dezember 2018, 20:43
von Falk Dübbert
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Jetzt doch ein paar Zeilen zum Fall Relotius


Der Spiegel ist … mal wieder … auf einen Fälscher reingefallen. Er hat wohl gewohnheitsmäßig seine Geschichten „aufgepeppt“.
Die Geschichte hat drei Seiten.

  • Den jungen Star-Reporter, der mit Preisen überhäuft wurde und genau den Ton fand, den der Zeitgeist hören wollte.
  • Die führungslose Spiegel-Redaktion, die quasi mit Gewalt erst dazu gezwungen werden musste, die Edelfeder fallen zu lassen.
  • Eine narzisstische Gesellschaft.

Man verzeihe mir die Küchenpyschologie, aber meiner Ansicht nach ist der Spiegel einem klassischen Narzissten aufgesessen. Narzissten sind anpassungsfähig, kommunikative Meister und haben in frühester Kindheit gelernt, wer was von ihnen erwartet. Die (Grund-) Schulzeit war für sie ein einziges Trainingslager bis Bootcamp und sie haben mehr Kenntnisse über Manipulation, als ein Kongresssaal voll mit NLP-Experten.
Die manipulativen Eigenschaft wird umso mehr gewünscht und gefördert, je mehr ein Umfeld formalisiert wird und je weniger die Arbeit selbst zählbare Ergebnisse liefert.
Dummerweise sind die typischen Eigenschaften eines Narzissten, insbesondere die hohe Anpassungsfähigkeit und die Veranlagung zu mitnehmender Kommunikation, genau die, die in Managern und Vertrieblern gesucht werden, aber sie helfen auch allen anderen Karrieristen und Leuten, die „was mit Medien“ machen. Das Umfeld in einer selbst-ernannten Spitzen-Redaktion ist also schon unter normalen Umständen sehr kompatibel. Wenn noch dazu kommt, dass im Grunde alle Führungspersonen gerade um ihren zukünftigen Job, ihr Überleben oder einen sauberen Abgang kämpfen und somit weder echte Kontrolle ausüben noch eine Vision vermitteln können, ist ein Desaster im Grunde vorprogrammiert. (Ein ähnlich kopfloses Umfeld habe ich vor zweieinhalb Jahren verlassen.)
Relotius lieferte genau die Mood-Artikel, die immer mehr Leuten auf die Klöten gehen aber anderen die Bestätigung für ihre moralische Überlegenheit in ihre Echokammer geben:
Erzählgeschichten mit viel Projektionsflächen.
Hanns Joachim Friedrichs‘ Ideal vom Journalisten, der überall dabei ist, aber nicht dazugehört, wurde irgendwo zwischen 2010 bis 2015 stillschweigend in einem Redaktionskeller eingemauert. Es sitzt da noch gefesselt und geknebelt und wird hier und da für eine Laudatio hervorgeholt. Tatsächlich nimmt jedes Haus im Medienzirkus nicht nur Partei, sondern produziert eben jene Projektionsflächen und (Anti-) Identifikationsfiguren wie die paramilitärischen Bürgerwehren in „Jaegers Grenze“.
Die Grenze zwischen Bericht, PR-Artikel, Mood-Story und Clickbait muss keine Schwelle mehr überschreiten, denn mit Auflagen bei 30% von den Werten vor dem 25. Dezember 1990, kann man sich solche Feinheiten wie journalistische Sorgfalt nicht mehr leisten. Auflage bedeutet Reichweite. Reichweite bedeutet Relevanz. Relevanz bedeutet Beachtung und eine Redaktion dürfte voll von Menschen sein, deren unerfüllte Sehnsucht nach Beachtung krankhafte Dimensionen angenommen hat.
Als 2015 die Rührstücke über illegale Einwanderer zuhauf in allen wesentlichen Medien gebracht wurden, war das Wort „Lügenpresse“ noch problemlos diffamierbar. Jetzt hat Claas Relotius diesen Lieblingshassterm der Medienleute auf traurige Art und Weise legitimiert.
Im Grunde muss man neben dem individuellen Problem um Claas Relotius auch die Frage stellen, warum Kontrollmechanismen in bislang acht Medienhäusern nicht früher Alarm schlugen, bzw. warum, als sie es taten („Fergus Falls“), die Konsequenzen gänzlich ausblieben – und – ob die Redaktionen sich wirklich davon freisprechen können, Relotius‘ Geschichten nicht mit der angemessenen Skepsis behandelt zu haben, weil er die „richtigen“ Geschichten erzählte.
Insbesondere sollte man eben auch mal schauen, ob z.B. bei Prantls Geschichte aus der Voßkuhlschen Küche nicht das gleiche Muster vorliegt, und ob man es sich noch leisten kann, sowas unsanktioniert durchzulassen, und ob eventuell da nicht vor langem eine Grenze verwischt wurde, die eben von Relotius nur offensichtlich weiter überschritten wurde, aber es ein generelles kulturelles Problem gibt, bei dem durch eine vermutete Medienkonvergenz zur „Multimedialität“ der Journalist sich am Ende als Sachverständiger, Rechercheur, Schreiber, Präsentierer, Moderator, Schauspieler und Prominenter zugleich sieht und die grundlegenden Fertigkeiten auf dem Rückzug im Existenzkampf zurücklassen musste.
Eventuell sollte man vielleicht neben der Auto-Industrie ein oder zwanzig Verlagshäuser an den Bedarf anpassen, also schließen, damit die verbleibenden auch von den erzielbaren Einnahmen leben können. Derzeit scheint mir viel Prekariat im Journalismus vorzuliegen und dessen Anwesenheit ist nie gut für Integrität. Integrität muss man sich leisten wollen … und können.