Falk Dübbert ...

Der Herr V. aus G.

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Felix von Leitner tillt ja regelrecht aus, wenn es was neues über oder von Yanis Varoufakis gibt. Ich habe mich mit seinen Texten befasst und bin etwas weniger euphorisch.

Zunächst mal für einen ordentlichen Professor der Spieltheorie, bei uns würde man Wirtschaftsmathematik sagen, sind 23 Veröffentlichungen in Fachmagazinen und drei Bücher in Herausgeberschaft unüblich wenig. Diese bringen es laut EndNote mit ISI auf gerade mal 34 Zitate (die Welt fand nur 30). Ein Buch davon fliegt auf dem Niveau eines Erstsemester-Vorlesungsskript und die Tatsache, dass es von der eh schwachen Erstauflage beim Verlag noch etliche Exemplare gibt, zeigt, dass das Buch nur in der Vorlesung von Herrn Varoufakis gelesen wird.

Ich habe jetzt nur ein Buch “The Global Minotaur” einmal überflogen und dann halb gelesen und versuchte es mit dem, was ich einst zu lernen versuchte, in Einklang zu bringen. Kurz: es geht nicht.

Varoufakis ist Keynes-Anhänger, durch und durch. Er hat dazu noch ein paar steile Thesen zur Grundlage seines Buches erhoben und reitet unerträglich darauf herum.

Er sieht in den westlichen Industrienationen und deren Hegemonie der letzten 50 Jahre die Ursache allen Übels in der Euro-Zone. Jedoch bleibt er auf Anekdoten-Niveau. Das präsentierte Zahlenwerk geht jedoch nicht wirklich auf. Für ein Fachbuch fliegt es dazu erstaunlich tief.

Wenn man sich zuvor jedoch in einem Anflug von Langeweile zunächst mit “dem Varian”, Blanchard, Henry Hazlitt und Hunter Lewis gegen den Neokeynesianimus geimpft hat, entdeckt man schnell die fachlichen Schwächen.
Die von Herrn Varoufakis geforderten Maßnahmen kann man schnell auf die Formel “das Geld der anderen” eindampfen. Zinsgefälle, Saldenmechanik, Inflationsblasen, Geldmengenmanagement und Lösung der Stagflation interessieren ihn nicht.
Für ihn sind die G7 erstens schuld und zweitens ein Quell unendlicher Finanzmittel für alle anderen.  Aber die globale Transferunion, die der Australo-Grieche indirekt fordert, funktioniert so nicht. Denn der “globale Minotaurus” also das US-Finanzwesen, das sich – entgegen den zugänglichen Zahlen - nach 2008 aus den peripheren Ländern zurückgezogen haben soll, ist eben nicht die Ursache der Probleme der PIGS-Staaten, sondern die mangelnde Kapitalisierung der Banken und Mängel in deren Strukturen, insbesondere jenen die Blasen verhindern sollten.
Dieses Muster, dass immer andere Schuld sind und dafür leiden müssen, ist bei Varoufakis Kern seines Handelns.

Er und Tsipras verfolgten einen dreistufigen Plan um nicht nur weitreichenden Haircut sondern neue Kredite zu erzwingen. Zunächst wollten sie die Schuldnerstaaten gegen die Gläubigerstaaten einen und letzteren so ein Problem bereiten, wie es einst die Fugger niederbrachte. Das scheiterte krachend. Dann spielten die beiden auf Zeit, was in dem nutzlosen Referendum, das im Grunde nur zwei Wochen verbrannte, gipfelte. Erst als ihnen klar wurde, dass ein Grexit für den Rest nicht das Ende der Welt – ein Nachgeben der Verhandlungsführer aber mittelfristig den BRexit und sofort den Unfrieden der Baltenstaaten bedeuten würde, vom, wie die Medien es nun berichten, FIxit, also das Ausscheiden Finlands aus dem EURO ganz zu schweigen.

Für mich ist der gekränkte Stolz und die Unfähigkeit das eigene Scheitern einzugestehen der Hauptantrieb der neuerlichen Varoufuckis-Interviews.

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