Falk Dübbert

Drehbuch und Hauptdarsteller durch Tom Hanks, Aaron Schneider als Regie und Foresters „God Shepherd“ als Vorlage.
Das verspricht eigentlich gute Unterhaltung. Zumindest als Captain Phillips schlug Herr Hanks sich achtbar.

Leider ist Herr Hanks entweder nicht ganz durch die Handlung des Buches gedrungen oder hat im Interesse der Breitenpublikumsfähigkeit die Geschichte auf die oberflächliche Handlung reduziert.

Im Buch schwankt Kapitän Krause zwischen Insomnie, Depression, Selbstzweifel, Abfall vom Glauben, Aufregung, Kampfeslust und Exo-Aggressivität. Ein Küchenpsychologe würde eine massive Borderline-Störung diagnostizieren, aber es ist schlicht ein Mann der unter unmenschlicher Last zerbricht. Das Motiv des jusum deosum fehlt im Film gänzlich – im Gegenteil, nachdem seine unglückliche Liebe für den Film-Krause eine Begebenheit am Anfang ist, findet er Trost in Gott.

Dieses Motiv habe ich im Buch anders gelesen. Im Buch entleert sich die Welt des Kapitäns mit jeder Angriffswelle der Wölfe verliert Kapitän Krause einen weiteren mentalen Rückhalt und sein einziger Bezugspunkt ist am Ende sein Schiff, das am Ende Leck geschlagen ist und nur noch eine Maschine hat, und seine Crew, deren Mitglieder ihm doch fremd und unverstanden bleiben.

Forester schrieb das Buch mit Absicht ohne Kapitel und so, dass man bei normalen Lesetempo in etwa 52 Stunden durch das Buch kommt, also im Grunde eine Echtzeiterfahrung hat. Der Film dampft es noch mal auf gnadenlos dichte 91 Minuten ein, die auf einem großen Bildschirm mit gutem Ton betrachtet, den Adrenalinschub einer Achterbahnfahrt ergeben. Technisch merkt man dem Film das kleine Budget von 50 Millionen an, auch wenn die CGI-Schiffe zum Besten gehören, was ich lange gesehen habe.

Man muss schon wissen, worauf man achten muss, um das CGI sicher zu erkennen. Ausnahme sind die Röhren der Instrumente. Weder die Radarröhre noch die Sonarröhre halten dem ersten Blick stand, da einfach ein 2D-Bild hinter Glas erscheint. Röhren dieser Ära waren aber eher rund. Man schaute fast auf einen Ball.

Außer der USS Kidd als Stand-In für die fiktive Keeling ist im Film nicht viel real und die Kidd ist aktuell kaum manövrierfähig.
Die Einnahmen für Miete als Film-Set sind wohl dringend benötigte Mittel für den Erhalt des Museumsschiffs.

Von der Handlung her dürfte ein Zuschauer, der nie Abläufe auf einer Fregatte oder einem Zerstörer erlebt hat, Probleme haben zu folgen. Als Beispiel wäre der Punkt zu benennen, dass die Gefechtsbrücke “combat” oder neuer die OPZ, Operationszentrale, direkt unter der Brücke liegt. Mit solchem Wissen sind einige Floskeln, die im Film fallen besser zu verstehen.

Ein weiterer Punkt ist, dass Hanks bzw. Schneider zu moderne Informationen einfließen ließen.
Sprechfunk war aus mehreren Gründen verpönt; zum einen ist ein AM-Sprachträger über ein Kilohertz breit, dazu permanent getastet und somit schnell entdeckt und gepeilt, zum anderen, war Morsen auf Schiffen einfach zuverlässiger. Trotzdem funkt Kapitän Krause munter mit dem Hörer. Das kann man noch hinnehmen, aber U-Boote die mit den Convoys funken, sind äußerst unwahrscheinlich, da Huffduff oder HFDF ihnen sofort ein paar Korvetten mit Hedgehog beschert hätte.

Und ein Typ IX U-Boot im Zweikampf mit Zerstörern würde zumindest zwei Torpedos als Fächer abfeuern und dann schnell TIEF abhauen. Das Abfeuern weniger einzelner Torpedos würde erfordern, dass der Torpedo steuerbar oder zielsuchend und das Ziel nicht wehrhaft ist.

Der nächste Punkt ist, wie Kapitän Krause sein Schiff führt. Er tut dies aus der geschlossenen Brücke und die steht bei ihm voller Gasten, also den Meldern, die mit den jeweiligen Abschnitten im Schiff sprechen und Informationen nacheinander wiedergeben. Das ist für die jetzige US Navy zwar korrekt, aber erst seit den 50ern üblich, seit dem es zuverlässige, tragbare Mikrofone und Verstärker dafür in großer Anzahl und gute Scheiben, vor allem Kent-Scheiben, für Fenster gibt. Das mit dem Gucken war damals und ist heute noch einigermaßen wichtig.

In der winzigen Brücke eines Fletcher-Zerstörers (siehe https://ussslater.org/bridge) wird das eher nicht der Fall gewesen sein. In Realität war der Captain eher oben auf der Flybridge anzutreffen, wo er freie Sicht hatte, und auch die “Sonar-Hütte” war akustisch isoliert vom Rest des Schiffs oben drauf, während sie im Film im Bereich des Kartentischs lag. Es gab von Anfang an zwei Radar-Geräte und einen Radar-Entfernungsmesser.

Zeitlich und örtlich passt vieles auch in der Vorlage, also dem Buch, nicht zusammen. C.S. Forester fuhr nie zur See.
Die Tatsache, dass es noch einen “Pit” und Typ U-Boote mit Rudeltaktik gab, platziert die Handlung deutlich nach Unternehmen Paukenschlag aber vor der Stationierung von Bombern auf Grönland. Zu Rudeltaktik-Zeiten hatten die Aliierten das Problem mit dem Blindschuss der Wasserbomben bereits gelöst und die im Nordatlantik eingesetzten Zerstörer und Küstenwach-Kreuzer auf den Minenwerfer „Hedgehog“ umgebaut, der deutlich kleinere Minen nach vorne warf und dessen Ladungen nur bei Kontakt detonierten. Dadurch musste der Minenschütze die Lage und die Tiefe des U-Boots beim Überfahren nicht mehr schätzen, sondern konnte feuern während das Sonar es noch sah.
Da waren aber sicher keine Fletcher-Klassen mehr im Atlantik und die Amerikanische Beteiligung an den Konvois schon sehr reduziert. Die Fletcher waren im Grunde nie im Atlantik. Gleich zu Beginn stellte man fest, dass die schweren Stahl-Aufbauten, die im Riss noch aus Alu vorgesehen waren, die Hochseefähigkeit des Schiffs stark einschränkten. Daher verlegte man Fletcher-Schiffe, wie auch die Simss-Klasse an die Westküste und in den Pazifik. Es gab auch keine dokumentierte Begegnung von Fletcher-Zerstörern mit deutschen U-Booten, die nicht in Küstennähe zu US-Gewässern passierte.
Weder hat ein Fletcher Zerstörer ein deutsches Uboot versenkt noch andersrum. Die Amerikaner setzten als Begleitung eher umgebaute Küstenwachboote ein.

Der im Film dargestellte Gebrauch des Decksgeschützes der Uboot-Besatzung passt auch nicht, weil die deutschen IX-U-Boot-Skipper die Atlantik-Einsätze eher mit demontierter Kanone fuhren, sobald ihr Boot mit einem Schnorchel ausgestattet war. Zu sehen sind Boote vom Typ IX/D. Die waren aber zu dem Zeitpunkt eher im Süden und nicht im Rudel unterwegs, weil einzeln schon zu laut. Im hohen Norden wird man eher auf TYP VII/C getroffen sein, die zum Handlungszeitraum bereits Schleichfahrt konnten und schon bei Unternehmen Paukenschlag massiv auf Täuschkörper setzen .

Auch wenn das Thema das Buches – die Passion des Kapitäns – nahezu verfehlt wurde, ist der Film ein Tipp.
Es sind 90 Minuten reine Action. Im Gegensatz zur arg zeitgenössischen DasBoot-Neuauflage gibt es nur 30 Sekunden Love-Story.

Ob dieses Highlight Apple-TV+ rettet, vermag ich nicht zu entscheiden.