Falk Dübbert macht Sachen

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Mai 2020 - Es ist immer noch grau.

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Wenn ich meine Situation beschreiben müsste, würde ich „Uff!“ sagen. Corona beginnt sich heftig auf meine Stimmung auszuwirken.

Homeoffice war für mich bereits vorher 75% angesagt, aber 100% und keine außerfamiliäre Kontakte, außer der Supermarktkassierern hinter Glas ist dann doch mal eine andere Nummer.
Dazu bin ich bei einem IT-Dienstleister angestellt und bei den Firmen, bei denen ich die Hauspostille lesen kann, steht fast immer „die Fachabteilungen werden ihre externen Kosten reduzieren“. Das schlägt natürlich aufs Gemüt, weil Kurzarbeit für mich zum einem weniger Geld aber vor allem noch mal weniger Sozialinteraktion bedeuten würde. Da muss man den Deckel schon sehr fest zudrehen, um die Frühlingsdepression in der Lampe zu behalten.

Grundsätzlich fehlt mir immer noch der erkennbare Plan im offiziellen Handeln. Ich ahne, dass in den letzten Wochen ein Erkenntnisprozess eingesetzt hat, aber meine ebenso zu erkennen, dass dieser nicht freiwillig war.

Ich komme aus dem der Philosophie des Zen, auch wenn ich gerne seelenlose Dinge horte und Spaß am Umgang mit ebendiesen Dingen habe, aber im Zen-Buddhismus, schwingt bei all der Neugierde, Offenheit und Ausgeglichenheit auch immer eine große Portion Utilitarismus mit. Die Mahayana- und Vajrayana-Prägungen sehen deutlich weniger Wert im Individuellen oder im Einzelnen. Man stellt eine gute Sache in die Mitte seines Lebens oder
Konstruktionen des Weiterlebens nach dem Tod sind im Universismus noch viel weiter ausgeführt als in den im indogermanischen Raum verbreiteten Religionen. Das spendet Trost für vom Streben Betroffene und Angehörige. Im Zen allerdings ist, anders als das Westen verbreitete Abziehbildchen davon, das Ziel allen Strebens sehr wohl festgelegt.

Aktuell haben wir in Deutschland bis hinunter auf die Länderebenen eine sehr christlich und wertorientierte geprägte Regierung und durch die Geschichte der letzten 100 Jahre starken Fokus auf Kantsches Naturrecht. Auch die SPD zeigt sich mit geringen Geschmacksabweichungen mittlerweile wieder kleinbürgerlich und auf Grundwerte bezogen, wenn sie denn mal eine Linie findet. Diese Regierung verwaltet in erster Linie. Handlungsorientierung oder Veränderungsdrang dürfte mit dem Abgang des letzten Kabinetts Schröder bis zum Umdrehen der Alterspyramide ad acta gelegt sein.

In diesem weltanschaulichem Spannungsfeld wird „Lebensschutz“ natürlich immer der Vorzug vor „Freiheit“ oder gar „Wagnis“ gegeben werden. Das war sehr schön daran zu sehen, wie die gesamte nicht-Schwedische Presse gegen den Schwedischen „Sonderweg“, der eigentlich keiner war, anschrieb. Und es schwang fast überall etwas Neid und Missgunst mit. Man gönnte den Schweden die Freiheit nicht.

Dabei machte Anders Tregnell eins richtig: Er gab das klare Ziel „Herdenimmunität, aber die Krankenhäuser nicht überlasten.“ aus und an diesem Ziel richten die Schweden ihr Handeln aus. Grundsätzlich sind die Infektions-Zahlen in Schweden höher, was dort von den Sterbefällen abgesehen aber auch gewünscht ist. Jedoch wird man erst in drei bis vier Jahren sehen, welcher Weg der schonendste ist.

In Deutschland wäre so ein Ziel nicht denkbar. Es gibt hier vier Fraktionen, die Ängstlichen, der Verzweifelten, die Leugner und die Ignoranten. Utilitaristen kommen nicht zu Wort und wenn werden sie als kaltschnäuzig und zynisch niedergeschrie(b)en oder den Leugnern oder Ignoranten zugeschmissen.
Die Verzweifelten bekommen langsam Gehör aber für viele Existenzen ist es bereits zu spät. In der Gastronomie gehe ich mittlerweile von 25% aus, die überleben werden. Bei Hotels wird es die Hälfte sein. Und das, was bleibt, wird teurer werden. Das Problem ist, dass Gastronomie für viele schon der Plan B ist und die meisten nicht das Stehvermögen oder die Zeit haben nochmal zu starten.

Dabei hieß das deutsche Ziel am Anfang auch Verlangsamung. Als dieses auf absehbare Zeit eingehalten wurde, bekamen die Stimmen, die nach Eindämmung oder gar Suppression verlangten, plötzlich mehr Gewicht.
Diese Stimmen verschweigen allerdings stets, dass sie auf einen erfolgreich getesteten Impf- oder Wirkstoff angewiesen sind um aus den Maßnamen für die Suppression wieder herauszukommen. Der Weg zu Impfstoffen ist selten gerade und es gibt auch kaum Wege dessen Beschreiten zu beschleunigen. Selbst wenn ein Impfstoff es schafft, in diesem Jahr alle drei Testphasen zu durchlaufen: Allein in Deutschland würde man über 80 Millionen Dosen herstellen und applizieren müssen, um über 40 Millionen Menschen zu impfen. Und im Gegensatz zu Mundschutzmasken ist das ein kompliziertes Produkt, das man nicht über Lebensmitteldiscounter vertreiben kann. Selbst, wenn 150.000 Ärzte daran mitwirken würden, sind das über 500 Impfungen pro Arzt. Davor müssten die Dosen aber erstmal hergestellt und verteilt werden. Der Impfstoff wird sicher in wenigen Monaten bis Jahren angepasst werden müssen, sollte Sars-CoV-2 ein saisonaler Virus werden und entsprechend driften oder mutieren.

Ich würde mir bis zum Abschluss eines größeren Versuchs mit Freiwilligen erstmal eine Strategie wünschen, die davon ausgeht, dass es auf absehbare Zeit weder Impf- noch Wirkstoff gibt. Aktuell habe ich die Befürchtung, dass die Lockerungen eher aus der Not geboren sind, dass die „Bazooka“ und „kein Arbeitsplatz geht verloren“ Rhethorik auf der auf den ersten Blick nicht haltbaren IAB-Schätzung von 90.000 Arbeitsplätzen für vier Monate Lockdown beruhten. Diese wurde jedoch von der Realität überrollt und die Bazooka hätte selbst mit einer Haushaltsverdopplung nur die Feuerkraft einer Nerf-Gun.

Mir fehlt eine genaue Analyse der Maßnahmen, dafür hätte man sie mit drei oder vier Tagen Abstand in Kraft setzen müssen. Die Verfügungen hauten aber die Pakete in „wir machen das jetzt auch“-Manier raus. In den Gesamt-Zahlen sieht man eigentlich nur die Maßnahmen vom 13.3. – alles was danach kommt ist unter „ferner liefen“. Die Maßnahmen danach führten nur zu Einmaleffekten. Ich werde Mittwoch die Graphen neu plotten.

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