Falk Dübbert macht Sachen

...

Schluss mit der Angst! Wo ist das Konzept?

| Keine Kommentare

Update 23.4.: ich hätte mir den meisten Text sparen können, denn Falk Steiner hat es schon sehr gut formuliert.

Maßnahmen, die sich auf das Infektionsschutzgesetz berufen – zumindest betonen das die Rechts-Kommentatoren immer wieder – müssen notwendig sein.

Bei der Isolation eines Patienten mit positivem Befund kann ich die Notwendigkeit immer nachvollziehen.
Bei der Isolation des Kontaktkreises dieses Patienten, bis zwei Tests mit ausreichendem Abstand dessen Status geklärt haben, sehe ich das auch.
Solange es noch viele unerfasste Infektionsketten gibt, kann ich auch Abstandsverfügungen und Kontaktsperren nachvollziehen.

Aber bereits an der Stelle Geschäftsschließungen habe ich schon große Probleme, da diesen viele Annahmen zu grunde liegen, die zum Teil auf den ersten Blick Mumpitz sind.

Alle Stichproben der Morbidität unter den Patienten zeigen nur geringe Übersterblichkeit an. Über die Hälfte der Patienten ist erheblich älter als die Lebenserwartung. Die Aussage hier ist nicht „Die können ruhig sterben!“, sondern, dass in dieser Kohorte jeder Infekt auch ein anderes Coronavirus in einem Exit enden kann.

Alle Annahmen über zukünftige Entwicklungen beziehen sich auf einfache R0-Betrachtungen und die Modellrechnung von Ferguson et al. Fergusons Rechnung belief sich auf die das vereinte Königreich und die USA und liegt (zum Glück) soweit von der Beobachtung entfernt, dass man getrost von Modellversagen sprechen kann.

Bislang sehe ich keine Konzeption und es drängt sich der Verdacht auf, dass die Politik tatsächlich an die baldige Verfügbarkeit einer direkt auf das Virus wirkenden Behandlungsoption oder eines Impfstoffs glaubt.

Coronaviren waren für 99% der Erkältungen verantwortlich und damit für >200 Millionen Krankentage allein in Deutschland. Es wäre die ganze Zeit wirtschaftlicher Druck vorhanden gewesen ein Medikament zu entwickeln und es erschließt sich mir nicht, warum es jetzt plötzlich einen Wirkstoff geben sollte. Gegen einen nennenswerten Innovationsschub spricht auch, dass die kommunizierten Behandlungsversuche und Studien eher alte bis obskure Wirkstoffe anpeilen. Auch IT-basierte Ansätze wie Folding-At-Home sind eher der Versuch eines Präzisionschusses mit einer Blunderbuss, da hier massenhaft Verbindungen auf mögliche Wirksamkeit gegen SARS-CoV-2 modelliert werden.

In den Vorlesungen zu Katastrophenmanagement wird immer die Analogie eines sinkenden Schiffs auf hoher See verwendet:
Was nicht an Bord ist, oder mit vorhandenen Fähigkeiten gebaut werden kann, ist auch nicht da.
In alle Richtungen sind zwei Wochen Wasser, solange die Maschine es noch macht.

Ich bezweifle nicht mal, dass Drosten und Co. mit dem wieder einsetzenden exponentiellen Verlauf Recht haben werden. Aber ich sehe die Relevanz nicht.
Bereits bei der Forderung des Virologen mögliche Impfstoffkandidaten unerprobt in die Anwendung zu geben, scheint zu sehr der realitätsfremde Forscher durch, den man aus Versehen oder Verzweiflung zu lange ans Tageslicht gelassen hat. Denn auch der Absicherung etwaiger finanzieller Risiken durch den Bundeshaushalt, bringt wenig, wenn wir im Extremfall über eine Nebenwirkung in der Dimension Contergan reden.
Die Entwicklung eines Impstoffs gegen Tollwut zog sich fast 100 Jahre hin. Gegen Aids, dessen Struktur seit 37 Jahren bekannt ist, existiert immer noch kein Impfstoff. Bei Ebola gibt es zwar mittlerweile Behandlungsoptionen, aber diese wirken auch eher wie Brandschneisen und Gegenfeuer und nicht wie gezielte Löschversuche.

Selbst wenn ein Impfstoff entwickelt werden könnte, zeigt die nunmehr seit 13 Wochen anhaltende Nichtverfügbarkeit von FFP- und MNS-Masken, dem dafür notwendigen Filtervlies oder Trockenhefe, dass nicht jede Produktion beliebig schnell skaliert werden kann.
Und die genannten Artikel sind einfachste Einwegprodukte, während eine Impfstoffsynthese eine hochkomplexe Angelegenheit ist, die bereits in „Friedenszeiten“ Probleme hat, vom Laborprototypen auf eine skalierbare Produktion übertragen zu werden. Die Erfahrungen mit synthetischem Insulin können da einen Hinweis geben, wie schlecht es laufen kann.

Die Medien sind vom Empörungsmodus in den Angstmodus umgeschaltet. Gleichzeitig wird eine argumentative Wagenburg errichtet. Jedem Kritiker der Maßnahmen schlagen große Wogen ins Gesicht. Die Zahlen geben das Maß der Panik jedoch kaum her.

Bislang bleibt – Europaweit betrachtet – Covid19 laut Euromomo hinter der Grippewelle von 2017 zurück. In Österreich, Dänemark, Estland, Finnland, Deutschland (nur Berlin und Hessen erfasst), Griechenland, Ungarn, Irland, Luxemburg und Norwegen ist bislang gar keine Übersterblichkeit zu erkennen.

Das liegt sicher mit an den ergriffenen Maßnahmen und im Fall Deutschland auch an einer gehörigen Portion Glück, dass die ersten Cluster noch gut identifizierbar waren und so die späte allgemeine Reaktion sich nicht rächte, aber während die ersten Maßnahmen vom 13.3. – bei denen einige Bundesländer wie z.B. Bayern nur halbherzig mitmachten – sich sehr deutlich in den Zahlen niederschlugen, waren alle weiteren in der Wirkung auf die Gesamtzahl weniger stark.

Allerdings fehlt der systematische Ansatz die Zahlen zu betrachten. Wenn man am Stimmungszeiger des RKI einen Generator anschließen würde, hätte man eine eine Energiequelle. Auch die vom RKI verbreiteten „Wahrheiten“ sind hochproblematisch, da sie neben der allgemeinen Problematik mit RKI-Zahlen auch wahlweise eklantante Fertigkeitenlücken im Umgang mit Zahlen oder einen Hang zu „Zweckwahrheiten“ bedeuten.
Wenn der Vizepräsident des RKI niedrigen die Zahlen am 15.4. als Effekt des Osterwochenendes bezeichnet. Fragt man sich schon, ob jemals jemand mit Hintergrund in SPSS oder R an den Zahlen war und den armen Mann gebrieft hat. Gleiches gilt, wenn der Präsident des RKI hohe Zahlen am Freitag (also Stand Donnerstag) als problematisch ansieht und dabei missachtet, dass die Zahlen an Donnerstagen seit Patient 1000 immer höher waren (Meldeverzug der am Wochenende angesammelten Diagnosen) und es sich klar um ein wiederkehrendes Artefakt handelt.

Auch bei den Masken gibt es vier Seiten zu betrachten und auch ich muss meinen Standpunkt hier präzisieren.

  • Nicht die Virengröße (ca. 160nm) sondern, die eines Tröpfchens (ca. 5 µm) ist entscheidend für die Filterwirkung.
  • Der Hauptschutzmechanismus bei Corona ist die Bremswirkung. Das Hauptproblem beim längeren Tragen der Maske ist die Bremswirkung.
  • Einfache Stoffmasken spielten bei der Tuberkulose Epidemie um 1900 eine unrühmliche Rolle und verbreiteten die Infektionen eher, als dass sie halfen.
    Mycobacterium tuberculosis ist allerdings in feuchten Medien alleine vermehrungsfähig. Viren benötigen einen Wirt um sich zu verbreiten. SARS-CoV2 ist auf einen bestimmten Zelltypen in der Lunge angewiesen. Er kann sich in der Maske nicht verbreiten. Solange aber es keine Annahme zum Infektionsstatus des Trägers oder seines Umfelds gibt sind beide Seiten einer Maske als infektiös zu betrachten – aber nur die Außenseite wird im Umgang zum Problem.
  • Die meisten Leute haben den Umgang mit Masken nie gezeigt bekommen – und der Irrglaube, dass Schautafeln und Youtube Videos ausreichend wären, ist weit verbreitet. Das Wichtigste ist jemand, der individuelle Fehler früh benennt und abstellt.

Die vielen widersprüchlichen Äußerungen von teilweise denselben Experten machen die Nachvollziehbarkeit der Sinnhaftigkeit auch sehr schwer.
  • Im Januar und Februar wurde von Masken noch abgeraten.
  • Im März war man eher still.
  • Jetzt gibt es eine Maskenpflicht außer in Bremen.
  • Die ersten asiatischen Länder mit Maskenpflicht melden wieder steigende Zahlen.

Es gibt keine Evaluierung, welche Maßnahme wie viel Beitrag zum Rückgang gebracht hat und mir fehlt angesichts der Inkonsistenz auch der Glaube, dass wirklich fachliche Erwägungen statt lex bildzeitung hinter den Maßnahmen stehen. Was ist eine Kontaktsperre wert, wenn ich tagsüber in einem Großraumbüro arbeiten kann und soll, das ich mit dem durch Taktreduktion übervollen ÖPNV erreiche? Wieso kann ich in einer 120qm-Wohnung keine 4 Personen Besuch empfangen, während in einem 120qm-Geschäft sich 5 wechselnde Kunden und ein Mitarbeiter aufhalten dürfen?

Dazu fehlt jegliche Kommunikation über das mittlere oder ferne Ziel.

Die Virologen wünschen sich eine vollständige Eindämmung und nicht nur Verlangsamung, auf die Frage, ob das das Ende der Reisefreiheit bedeutet, wird entweder laut geschwiegen, der Fragende desavouiert oder ausgewichen. Politiker reden dann gerne über Impfstoffe und holen Großinvestoren in die Pressekonferenzen oder Talk Shows (Ich singe dann immer das Monorail-Lied ).

Nach wie vor fehlt eine Geschichte, er man folgen kann. Nachdem die erste Klippe mit lediglich einem verbeultem Rumpf ausging, braucht es nun aber einen gesteckten Kurs. Weder die Wissenschaft noch die Politik sind bereit, hier etwas tragfähiges zu präsentieren.

Die Arbeitsmarktzahlen sind am 12. März stehengeblieben und wenn man von den anderen Ländern, auch solchen mit dem Konstrukt Kurzarbeit, auf Deutschland schließt dürfte der Paukenschlag dort noch kommen und die Forderung nach einer Legitimation der Maßnahmen wird dann das kleinere Problem sein, denn während die „Angst“ vor Corona noch sehr abstrakt ist, sind für viele die wirtschaftlichen Folgen schon sehr konkret.
Es fällt angesichts der konkreten Auswirkungen schwer, der Politik mit der Dünnes-Eis-Rhetorik in den Sommer zu folgen, wenn es den Anschein macht, dass außer der Hoffnung auf einen Cargolifter oder eine Einschienenbahn es keine Lösungsperspektive gibt.
Forderungen nach einer gezielteren Isolation oder gesteuertem Aufbau einer Herdenimmunität, können angesichts der aktuellen Konsequenzen nicht mehr mit „ungerecht“, „taugt nichts“ oder „zu riskant“ weggewischt werden, wenn das Handeln der Politik insgesamt so wirkt, als würde sie noch mit Peter Zwegat drehen, aber im Grunde alle wissen, dass die Kündigungen von Krediten und Wohnung schon im Briefkasten liegen und die jetzige Politik das unausweichliche nur verschiebt.

Denn, wenn sie keine tragfähige aus eigener Kraft erreichbare Perspektive vermitteln kann, verliert sie beides: Die wirtschaftliche Existenz weiter Teile der Bevölkerung und am Ende scheitert die Eindämmung darin das Gesundheitssystem zu entlasten, weil irgendwo bei 2/3 der Wirtschaftskraft der Punkt erreicht wird, an dem das Gesundheitssystem als ganzes nicht mehr finanzierbar ist.

Keine Kommentare

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.

Diese Seite verwendet Cookies, Tracking-Technologien, Logs, APIs und Codeschnipsel von dritten. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz

✖Ok! Einverstanden.