Falk Dübbert macht Sachen

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Flattening the Curve?

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Ich hocke seit vier Wochen in meiner Wohnung, lebe von Vorräten und gehe nur noch zum Laufen und Radfahren raus.

Es wurde eine fast-bayrische „Ausgangssperre light“ verhängt. Erstens weil der Bundestag für ein Gesetz oder die Erweiterung der entsprechenden Verordnung, das/die eine generelle Ausgangssperre ermöglichen würde noch Wochen bräuchte, zweitens weil die aktuelle Regierung als große Koalition und vor allem mit dieser Kanzlerin es in der Regel sehr lange vermeidet, eindeutig Stellung zu beziehen. Jetzt ist sie Gefangene des einmal eingeschlagenen Weges der verlangsamenden Eindämmung.

Das Problem, das ich sehe, ist, dass die Verhängung der Ausgangssperre in Italien sich in denen letzten Tagen hätte deutlich zeigen müssen, eine Änderung von Signifikanz aber ausblieb. Die Änderung an den Deutschen Zahlen bei der JHU und der FunkeGruppe kann ich nicht erklären, aber ich vermute eher die Entfernung einer Doublette, weil sonst der Chef des RKI etwas mehr Freude versprühen würde; also so viel, wie seine bürokratische Anmutung zulassen würde.

Der eingeschlagene Weg ist der der Vertagung und aktuell sind am nächsten Scheidepunkt folgende Ausgänge denkbar:
  • Der Virus „verhungert“ wie in Wuhan. Der Lockdown wird gelockert. Hiernach wird Deutschland vor allem den Niederlanden gegenüber bis zur Entdeckung eines Impfstoffs ein drakonisches Grenzschutz- und Quarantäne-Regime errichten, gegen das sich die Sicherung der EU-Außengrenze in Griechenland und Ungarn wie eine Kindergarten-Veranstaltung ausnimmt. Die Zeit der EU-weiten Reisefreiheit ist vorbei, da jeder zu spät erkannte Indexpatient das vertagte Endspiel von neuem auf die Tagesordnung setzen würde. 
Mit der auf (absehbare Zeit unwahrscheinlichen) Entdeckung des Impfstoffs wird eine Impfpflicht für Masern, Grippe und Corona eingeführt werden.
  • Die Ausbreitung wird nur langsamer. Die Maßnahmen werden nur geringfügig gelockert und das Gesundheitssystem wird über Jahre permanent an der Belastungsgrenze betrieben. Standards für das Heilwesen können nicht mehr gehalten werden und man versucht, mit „Krankenpflegehelfern“, die aus dem massiv anwachsenden Pool von Arbeitslosen requiriert werden, die Lücke zu füllen. Es gibt bis zur Entdeckung eines Impfstoffes eine Zweiklassen-Medizin: Corona und Normal. Aufgrund der eingebrochenen Wirtschaft ist erstere eher eine Ausblendungsmedizin, die in eigentlich stillgelegten abseits gelegenen Kliniken geschieht. Der immer noch abgeriegelte und zum hysterisch-faschistoiden Hygiene-Regime gewandelte Staat reagiert auf den anwachsenden Unmut mit zunehmender Restriktion.
  • Der Staat gibt angesichts der exponentiell zusammenbrechenden Wirtschaft und den Folgen der Isolierung (Suizide, Herzinfarkte, Depressionen) den Kampf im Wesentlichen auf und lässt die Maßnahmen bis auf ein paar Feigenblätter (Exklusive Einkaufszeiten für Senioren, Quarantäne-Empfehlungen für vermutete Risikopatienten) fallen. 
Die Corona-Patienten werden mit hastig angelernten Pflegern in Not-Lazaretten in Flughafen-Hallen, Hotels und Messehallen nur notdürftig aber verteilt versorgt, so dass keine Bilder von Armee-LKWs passieren – in erster Linie aber quarantänisiert. Einige Monate später ist Corona eine Volkskrankheit. Je nach Gendrift des Virus kehrt diese alle paar Jahre wieder, ohne wirklich sichtbar zu werden, wie die immer schneller mutierende Grippe.

Der letzte Weg bedeutet überspitzt formuliert die Inkaufnahme vieler Todesfälle. Emotionskalt betrachtet würden im schlechtesten Fall alle sterben, die normalerweise intensiver Versorgen bedürften, sobald die Kapazität der Krankenhäuser überschritten ist.

Allerdings ist Social Distancing eben auch nicht „kostenlos“. Trout et al haben 1980 schon erste Relationen von sozialer Isolation und Suizid festgestellt und eine 30x höhere Suizidwahrscheinlichkeit bei isolierten Menschen festgestellt. Bei extrinsisch erzwungener Isolation gehen sie von höheren Raten aus.
Bei etwa zehn Tausend festgestellten Suiziden im Jahr in Deutschland kann man sich ungefähr vorstellen, welche Wirkung eine mehrmonatige Isolation haben wird.

Es stellt sich auch die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Gängigen Schätzungen nach versterben pro Jahr 100.00 Menschen an Folgen des Tabakkonsums vorzeitig, davon gut die Hälfte durch Passivrauchen. Bei vielen grausamen Krankheitsbildern wie COPD und Lungenkrebs sind Nichtraucher so selten wie Einhörner, trotzdem gibt es hierzu keine Sondergipfel und zweiwöchentlich verschärfte Allgemeinverfügungen. Vor allem aber kann ich in der jetzigen „Strategie“, kein Bekenntnis über das Ziel des Lockdowns abzulegen, keinen möglichen Ausgang erkennen, der nicht mit dem Verlust der meisten zivilisatorischen Fortschritte der letzen 75 Jahre einhergeht.

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