Falk Dübbert macht Sachen

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Unzufrieden

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Twitter
Mit Twitter bin ich schon länger unzufrieden. Nicht erst als Twitter mich fast vier Monate mit einem Shadowban belegte, als wäre ich ein Altright oder AfDler. Die Aussagen von Twitter zu dem Thema es handle sich um Fehler sind für alle, die sich nur ein bisschen mit Datenbanken und Rechtesystemen auskennen eine Beleidigung für die Intelligenz. Wenn Twitter sich an etwas stört, sollen sie es benennen. Insgesamt entzieht sich Twitter komplett dem Dialog. Es gibt zwar ein Konto namens TwitterSupport und Jack (Dorsey, bzw. sein Socialmedia-Praktikant), aber diese stellen keinen Dialog her.
Es gibt keine Möglichkeit eines Feedbacks.
Mit in das Thema „fehlende“ oder falsch verstandene Diversität fällt das Redesign, das Twitter von Juli bis Dezember ausgerollt hat. Es sieht aus wie Anwendungsdesign in den 90ern, ist voller Inkonsistenz und Anfängerfehlern und als einizges Argument wird „weniger verschwendete Bildschirmfläche“ kommuniziert. Tatsächlich ist es der X-te Versuch von Twitter, seinen User die „Trends“ mit der Brechstange ins Gesicht zu drücken und Twitter so werbefreundlicher und belangloser zu machen.
Dass jemand, der Facebook sucht, auch das Original nehmen könnte, ist bei den Produktverantwortlichen anscheinend nicht durchgedrungen. Jetzt wird mit Vergrämung, Nudging und Dumbing Down, versucht, das Publikum auf ein solches mit geringeren Ansprüchen zu selektieren. Facebook ging diesen Weg vor Jahren, als es sich von einer Plattform für Universitäts- und High-School-Studenten zu einer Plattform für alle Belanglosigkeiten transformierte.
Wer hingegen erfahren möchte, wie falsch das Bild ist, das die „KI“ mit „Maschinellen Lernen“ von seinen Benutzern gewonnen hat, kann in den Datenschutzeinstellungen einfach die „abgeleiteten Interessen“ anklicken. Bei mir waren da Schlagersänger und Deutsch-Räpper, Fußballvereine und Fernsehsender. Etwa ein Viertel der Namen musste ich nachschlagen. Bei 90% konnte ich mein Interesse sicher verneinen.
Wenn man dann nachgräbt, wie und wo das Design entstanden ist ist, fällt einem nicht mehr viel dazu ein. Alle drei Lead-Entwicklerinnen sind nicht nur ähnlich alt, sie sehen dazu noch aus, als wären sie der gleichen Seite des gleichen Modekatalogs entflohen. Die LinkedIn-Profile geben auch wenig über Erfahrungen vor Twitter. Sicher führt die Beschränkung auf alte weiße Männer zu Problemen, aber etwas Erfahrung hätte dem Design-Team, bei dem auch der männliche Teil nicht danach aussieht als wäre er in der Lage beim Rasieren kratzende Geräusche zu erzeugen, sicher gut getan.
Es rächt sich, dass Twitter die API Schritt für Schritt kastrierte und außer „Werbung“ keine Antwort auf die Frage nach dem Geschäftsmodell wusste, denn auch mit den ganzen Nebelkerzen, die Twitter über die Metriken geworfen hat ist der Rückgang in Reichweite und Interaktion allgegenwärtig. Die Grafik zeigt den Alexa-Rang kurz nach der Einführung des neuen Design.

Ich glaube nicht mehr an ein gutes Ende. Twitter hat recht früh begonnen, einen female-Ghostbuster-Move für seine Probleme in Stellung zu bringen und behauptet, dass der Rückgang auf die Qualitätsmaßnahmen also die Bekämpfung von Trollen und Bots zurückzuführen seien. Sony hatte 2016 alle Kritiker an dem Reboot mit Gender-Switch kurzerhand zu Sexisten erklärt und erlitt trotz des attraktiven Franchise, einer riesigen Werbekampagne und eigener Marktmacht fast Schiffbruch. Man muss nicht in den Dialog mit Kritikern treten. Erst recht wenn die Debatte unter Störfeuer von den Rändern leidet, ist das keine gute Idee, aber man muss zeigen, dass man die berechtigte Kritik verstanden hat. Vor allem wenn man kein one-off Projekt leitet, ist es eine gute Idee, etwas nachhaltiger vorzugehen.

Ich habe mein Twitter-Konto auf „geschützt“ gestellt und werde am 10.2. über dessen Zukunft befinden.

Netflix
Auch bei Netflix erkenne ich Trends von dumbing down. In allen embedded-Versionen von Netflix sind nicht deaktivierbare deutsche Übersetzungen der Filmtitel zu finden. Bei immer mehr Titeln fehlt der Mehrkanalton oder die englische Tonspur gleich ganz. Die zunehmende Menge an europäischen Produktionen, die man getrost gleich überspringen kann, habe ich vermutlich der EU zu verdanken, aber auch hier zeigt sich das Mantra der Web-Firmen, alles Pareto-Optimal zu behandeln und 20% einfach zu ignorieren. Wie bei Twitter gibt es nur einen Kundenservice mit sehr fragwürdiger Qualität, der wenn überhaupt, mit Textbausteinen antwortet. Eine Entsprechung von spezifischen Problemen mit spezifischen Lösungen gibt es nicht. Zum Glück ist das Kündigen von Netflix einfacher als bei den Öffentlich-Rechtlichen, daher lege ich erstmal eine Netflix-Pause ein.

Apple
Apple hat für mich die Grenze überschritten als Apple von einem Cloud-, Hard- und Software- Anbieter auch zu einem Film-Studio und einer Bank wurde. Seit dem kann ich nicht mehr schlüssig davon ausgehen, dass Apple mit der Rolle als Hardware-Lieferant zufrieden ist. Ich habe durchaus kein Interesse Apple weiter in mein Leben zu lassen und meine Toleranz für Forgot-to-tell-you ist reichlich erschöpft. Die durchaus appleleske Geschichte, dass „unterstützt SMBv3“ bedeutet, dass der Support von SMBv1 und SMBv2 wegfällt und der Verdacht, dass der ganze Move geschieht um die missliebig gewordene GPL in SAMBA loszuwerden, hat mich neben 400,- für ein neues NAS den Rest meiner Frustrationstoleranz gekostet.
Auch hier sind viele Elemente und Versuche Benutzer für Dumm zu erklären. Das permanente Nudging für die Apple-Version von Mehr-Faktoren-Authentifikation mit der einhergehenden Zunahme an Metadaten in der iCloud, das schwache Face Unlock und Apple Pay, bei dem ebenfalls zu viele Metadaten bei Apple landen, nervt einfach. Soviel Vertrauen wie Apple mit seinen „strong moves“ zerstört hat konnten andere nicht mal aufbauen.
Viel ist nicht mehr über und bei der kommenden Hard- und Softwarerunde wird Apple vermutlich keine Rolle spielen. Die aktuellen Hardware-Entscheidungen sind alle so gefallen, dass sie bis auf die Rechner agnostisch sind.

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