Falk Dübbert ...

Das Konzept der neuen Wohnung

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Habt ihr schon mal – außerhalb von 2001 – Atmospheres von Györgi Ligeti gehört? Ich finde die Stelle bzw. den Teil, an dem sich aus dem undefinierten Urklang so etwas wie Ordnung herauskristallisiert und man feststellt, dass diese Ordnung schon immer da war, einfach beeindruckend.

Genau so verhält es sich mit dem Konzept hinter meiner Wohnraumgestaltung.

Ich habe sage und schreie 104 Inspirationsbilder allein von Wohnzimmern in meiner Notiz, die ich für die Planung verwende.

Jetzt muss ich „nur“ noch die Gemeinsamkeiten feststellen und durch Ordnung zu Richtlinien verdichten. Das ist keine einfache Aufgabe, weil man in diesem Prozess gerne dazu neigt entweder ein zu fundamentalistisches Konzept zu verfolgen, das die eigenen Bedürfnisse nicht abbildet oder an der entscheidenden Stelle im Interesse einer schnell verfügbaren Lösung das Konzept zu sehr zu verwässern.

Also schreibe jetzt noch mal die grundlegenden Ideen meiner Pläne beiseite. Ursprünglich wollte ich den letzten Artikel dazu überarbeiten, aber habe mich entschieden, den alten Artikel auszublenden (die Links bleiben erhalten) und diesen hier zu posten.

Wohnzimmer
Grundidee und Ziel des Raums: Abstand zum Tag herstellen aber nicht zu beruhigend wirken
Wände und Holz-Möbel: geometrisch und solide.
Polstermöbel: freundlich, warm und einladend.
Dekoration, Bilder und Technik: lebhaft und fröhlich

Deutschland ist das Mutterland der weißen Raufasertapete, weil persönlicher Mut und Unabhängigkeit hier stets mit Argwohn betrachtet werden. Mut, nach vorne zu treten und den Kopf abgebissen zu bekommen, wird schon im Kindergarten bestraft. Das Ergebnis ist: Die Kinder passen sich an oder bauen narzisstische Verhaltensweisen als Selbstschutz auf. (Die andere Möglichkeit: sie zerbrechen an der Erwartungshaltung anderer und den eigenen Ansprüchen.) Daher sind „Macher“ stets Narzissten oder haben so ein geringes Selbstwertgefühl, dass sie „Nein“ einfach aus dem Sprachschatz verloren haben.

Zurück zum Thema: Ich wohne viel in Hotels und zum Glück, erlaubt mir meine Arbeitgeberin zwar bei weitem nicht die Spitzenklasse, aber immerhin die Klasse Hotels, in der das Design nicht muffig alle 20 Jahre für eben 20 Jahre stehen bleibt. Es gibt sie noch: Die Häuser, die versuchen, viel zu schwerfällige Chrom- und goldfarbene Applikationen in viel zu kleinen Räumen unterzubringen. Dazu werden gerne rundliche Steckdosen in warmweiß genutzt und die Wände sind dazu dann auch warmweiß oder gar gelblich abgestimmt. Febreze kämpft tapfer gegen die Vergangenheit als Raucher noch nicht für die Renovierung herangezogen wurden, wenn sie das Schildchen neben dem Telefon ignorierten.
In Gegenden, in denen die Hotels eben Teil eines Konzerns sind, und dessen internationales Mindset auch das Design erreicht, sieht die Sache anders aus: in erster Linie findet man man Mut zu Farben (aber nie Grün) und stellt fest, dass in Zeiten wo man überall Licht haben kann, dunkle Wände eigentlich nur Vorteile bieten. Gerade, wenn man den Raum aktiv gestaltet und nicht durch schiere Masse von Dingen versucht, eine Aussage zu treffen tritt eine dunklere Wand stärker in den Hintergrund.

Weiße Wände in Wohnzimmern werden eigentlich immer von vollen Bücherregalen und hohen Schränken begleitet. Ich will das nicht auch noch pathologisieren, aber: das beides will ich auch nicht. Genau genommen will ich in der neuen Wohnung keinen Nippes, kein Gerödel und vor allem keine Bücher. Kennt ihr vom Glauben abgefallene Veganer, die sich dann Chuck-Norris-Burger mit extra Bacon bestellen? Genau so.

Mein neues Wohnzimmer wird durch seine Länge und die Tatsache, dass die Fenster an der Schmalseite nach Ost-Süd zeigen, abends kaum natürliches Licht abbekommen und um dieses dann zu verteilen, müsste ich schon Alufolie tapezieren und auf dem Boden auslegen. Ich kann oder muss daher der Wand eine harte Farbe verpassen und viel künstliches Licht einsetzen.
Grundsätzlich will ich in der Wohnung immer einen Kontrast zwischen den feststehenden, den weichen und beweglichen Dingen erschaffen.
Da ich bei den bislang kurartierten Bildern und Objekten im Wohnzimmer extrem ins Bunte oder besser formuliert ins extreme Bunte gehe, nehme ich die depressivste Farbe, die ich kenne, an die Wand: neutrales Grau – um genau zu sein Fehgrau – und kombiniere es mit fast schwarzen Möbeln und weißen Hochglanz-Fronten. Konventionell gestaltende Menschen würden jetzt „Das nimmt Licht weg!“ sagen, aber es hat wenig Sinn, meine Wohnung nach deren Geschmack einzurichten.
Die eine Wand wird von der TV-Aufbewahrung dominiert – ich bin ein Nerd und in der Wand werde ich viel Nerdzeug einbauen.
Allerdings plane ich mit Ausnahme des Verstärkers, der seine Wärme loswerden muss, und natürlich der acht Boxen eine sehr zurückhaltende Aufstellung in den Möbeln und die Geräte sollen dabei klein und smart sein und dürfen auch mit Displays und LEDs um Aufmerksamkeit heischen. Signalkabel werden im Wohnzimmer so dünn wie möglich und in Textilschläuchen gebündelt sein. Mit Verlaub: wir sprechen von TOSLINK-Verbindungen mit 2m Länge. Das ist digital und im Wesentlichen kennt SPDIF und TOSLINK nur „geht“ oder „geht nicht“. Jitter, Bit-Error-Rate und andere Scherze sind bei den Kabellängen, Frequenzen und Pegeln eher theoretische Probleme. Bei den Lautsprecherkabeln kommen im Gegensatz dazu textile Rundkabel zum Einsatz, weniger weil sie besser „klingen“, sondern eher weil sich bei 7.1 sichtbare Kabel doch nicht vermeiden lassen und die Billo-Lautsprecherkabel sind ungefähr das, was ich nicht sehen möchte.
Im Wohnzimmer-Bereich will ich auch keine hohen Schränke haben. Die Gefahr, dass ich da etwas hineintun würde, das mich dann „festhält“, ist schlicht und einfach zu groß. Alle Holzmöbel werden mit ausreichend Abstand zum Boden (wird vom Center-Lautsprecher bestimmt) an der Wand festgeschraubt.
Gegenüber der TV-Kombination ergibt sich der Platz für das Sofa etwas abgerückt von der Wand mit Platz für Decken und Kissen in Körben dahinter Eine Wand-montierte Trockenbauwand mit Lücke zur Decke und zum Boden dient zwischen Sofa und Küchenbereich als Raumtrenner und Aufhängemöglichkeit für ein kleines Wandregal als Couchtisch und löst das Problem, dass die rechte Surround-Box sonst „mittenmang im Salon“ stehen müsste.
Rechts und über dem Fernseher sorgen LED-Panels mit einstellbarer Farbtemperatur für flach stahlendes Licht, das die großen Bilder und Objekte an der Wand mit dem Sofa schön zur Geltung bringt.
Die Bilder werde ich in bunten Rahmen oder auf Leinwand gekeilt aufhängen.
Ein flach gewebter Teppich sorgt zusammen mit späteren Deckensegeln für Auflockerung und kurze Schall-Laufzeiten. Die Lichtbox hat es nicht mehr in den endgültigen Plan geschafft und weicht einer „Sichtinstallation“ für die beiden Deckenlampen und die Kameras.

Schlafzimmer
Grundidee: Energie tanken, ruhen und abschalten
Wände und Holz-Möbel: freundlich, warm und einladend
Polstermöbel: lebhaft und fröhlich
Dekoration, Bilder und Technik: geometrisch und solide.

Das Schlafzimmer soll das Kontrastprogramm zum Wohnzimmer werden. Die Wand wird mit Pastellorange (RAL 2003) sehr – nennen wir es – intensiv sein. Daher sollen die Möbel relativ normal in hellem Holz bleiben und etwas Natürlichkeit verbreiten. Als Stoffe denke ich an helle Grün-, Blau und Gelbtöne, und ich traue meiner Waschmaschine und will daher nach Möglichkeit einfarbige Textilien haben.
Das Schlafzimmer hat die große Terrassentür als morgendliche Lichtquelle. Ein Sichtschutz sollte also Blicke zwar draußen bei den Kännchen, aber Licht an sich durchlassen, weil ich dieses Licht am Morgen unbedingt haben möchte. Ich denke daher an eine Decken- oder hoch an der Wand montierte Schiebegardine mit weißen und hellgrünen Paneelen.
Objekte und Deko in diesem Raum nehmen daher die Orientierung an geometrischen Grundformen und die Idee der Reduktion auf, die im Wohnzimmer von den Möbeln eingenommen wird. Aktuell denke ich an japanische Kalligraphien, harte SW-Fotos und schlichte Objekte.
Zu diesen Objekten kommt die monolithische Aufstellung der Stereo-Anlage auf einem Glasrack an der Wand und damit hat der Raum auch schon mehr als genug.
Schwarzbraun und mattschwarz sind die dominierienden Farben für Rahmen und kleine Objekte wie Lampen oder Regale.
Das Licht wird das einzige „smarte“ sein, das sich dauerhaft in diesem Raum befindet. Ich werde zwei LED-Paneele anbringen. Eins kommt an die Decke und eins an die Wand. Dazu kommen noch vier Regalspots über dem Kleiderschrank und die Lampen am Bett.

Küchenbereich
Grundidee: Kaffee, Kochen & kommunizieren
Wände und Holz-Möbel: Teil der Wohnung
Polstermöbel: nicht vorhanden
Dekoration, Bilder und Technik: Smart.
Die Küche wird nicht sonderlich gestaltet. Schließlich ist sie gar nicht meine. Außer dass ich mein Geschirr und meine Kochutensilien einräume erhält sie eine LED-Deckenlampe und ein LED-Linienlicht über der Arbeits- und Kochfläche. Musikalisch bleibt es erstmal bei meinen vorhandenen Bluetooth-Lautsprechern. Als Tablethalter für die Küche werde ich die weniger hochpreisige Version mit dem Schlitz im Holzbrett nehmen.
An der Wand gegenüber der Küche plane ich viele kleine Fotos von 10×15 bis 20×30. Bei allen Bilderzonen plane ich Galerieschienen zu benutzen, damit meine Nachbarn und Vermieter mich auch nach der dritten Umdekoration noch mögen.

Arbeitszimmer
Grundidee: Arbeiten und produzieren
Wände und Holz-Möbel: Zweckmäßig
Polstermöbel: Zweckmäßig
Dekoration, Bilder und Technik: Zweckmäßig
Im Schnelldurchlauf erzählt kommt ein höhenverstellbarer Schreibtisch mit einem Halter für das Notebook und zwei Bildschirme mitten in den Salon. An die Wand gegenüber kommen zwei 40“-Bildschirme, darunter platziere ich lieblos ein Rack und ein IVAR-Regal läuft den Rest der Wand entlang bis zum ebenso lieblosen zweiten Computertisch mit dem Produktionsarbeitsplatz. Je ein flacher Teppich unter den beiden Tischen schützt das Laminat und sorgt für eine nicht allzu hohe Schalllaufzeit beim Telefonieren.
Plätze für den 3D-Drucker, Laserdrucker, Tintenstrahldrucker, Schneideplotter und den Flachbettscanner finden sich auf oder in dem Ivar. Stahlfächer neben der Tür nehmen Notebooks und Unterlagen auf. Diesen Raum nehme ich mir im kommenden Jahr vor, wenn ich weiß, was ich tun werde.

Flur
Grundidee: Leute empfangen und ersten Eindruck vermitteln
Wände und Holz-Möbel: Freundlich
Polstermöbel: nicht vorhanden
Dekoration, Bilder und Technik: klein und zurückhaltend
Außer einem Brett mit ein paar Haken an der Wand und einem Schlüsselkasten möchte ich nur ein paar SW-Fotos aufhängen. Hier allerdings bleibt es bei Nägel bzw. Schrauben in der Wand. Das Licht soll kaltweiß von der Decke kommen und per Bewegungsmelder geschaltet werden.

Abstellraum
Grundidee: Putzutensilien und Schuhe und Jacken lagern
Wände und Holz-Möbel: zweckmäßig
Polstermöbel: nicht vorhanden
Dekoration, Bilder und Technik: reinigend und überwachend
Im Abstellraum gibt es nicht viel besonderes: eine Lampe kommt an die Decke und eine LED-Röhre neben die Tür. Platz für Router, Alarmzentrale und einen großen Stahlschrank. Eine Mini-USV sorgt für Versorgungssicherheit und

Keller
Grundidee: Werkzeug, Technik und Sportausrüstung lagern, Fahrräder aufladen
Wände und Holz-Möbel: zweckmäßig
Polstermöbel: nicht vorhanden
Gorm-Regal und eine Werkbank – mehr stelle ich kaum auf. Die zu lagernden Dinge kommen zunächst in Plastikboxen und später in angepasste Koffer.

Plan
März:

  • Umzug

April:

  • Umzug

Mai:

  • Umzug
  • Schreibtisch

Juni:

  • Wohnzimmer Raumtrenner, Farbe und Licht

Juli:

  • Wohnzimmer Möbel 1
  • Farbe Schlafzimmer

August:

  • Gestaltung Schlafzimmer

September:

  • Lichtkonzept
  • Teppiche

Oktober:

  • Küche

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