Falk Dübbert ...

Ich schaue nicht in den Spiegel

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OK. auf den Spiegel einzuschlagen hat etwas davon, auf jemanden einzutreten, der am Boden liegt. Die Arbeit der Qualitätssicherung oder Dokumentation, die wohl eher ein Opfer der Strukturen aus den 60er und dem seit Aust nicht gefixten Führungsvakuum war, ist ja nun als Problem bekannt.
Aber auch die Kuratierung der Kolumnen ist für mich seit einigen Monaten ein Problem. Sei es Fleischhauer, der von einem Merkel-Fanboy zu einem Merkel-muss-Weg-Bewohner mutierte und sich beim Verbreiten abstruser Theorien oder Fehk-Njuhs einfach nur gepflegt wegduckt, oder Sascha Lobo, dessen Kenntnisse über IT sich auf das beschränken, was man mit einem Browser oder einer App erreichen kann: wirkliche Exzellenz trifft man nicht mehr an. Berg und Stokowski paraphrasieren immer nur den gleichen Text und Fischer spielt eher aufs eigene Tor.
Das gilt auch für die Volkswirtschaftliche Kolumne von Henrik Müller. Müller prognostiziert seit etwa drei Jahren eine protektionistische Phase, die auch kommen wird, aber bleibt bei seinen Analysen auf Keynes-Niveau. Keynes ist bei Politikern wie Journalisten beliebt, weil das Wirtschaftsmodell sofort verständlich ist und vor allem, weil es ohne komplizierte Mathematik auskommt, die bei Hayek, Friedman oder gar Varian die Lektüre wenig zugänglich macht. Dann ist man allerdings in Kreislauf- und Zyklen-Modellen gefangen und glaubt eben an unabwendbare Ereignisse oder plötzliche willkürliche Entscheidungsänderungen wie Müller.
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Einem Keynesianer zuzuhören ist immer ein Vergnügen (Siehe Video), aber das Problem von sowohl Keynes als auch Hayek ist, dass beide Pre-Nash. sind. Ein Nash-Gleichgewicht lässt sich für einen Teilnehmer in einer Entscheidung noch einfach nachvollziehen und das Verhalten modellieren, aber bei einer Wirtschaft wird das auch ohne Technologie-Wandel etwas unhandlich und die Vorstellung der großer Räume könnte Teile der Bevölkerung verängstigen, wo bereits Abiturienten an einer 5×5-Matrix scheitern, wenn die abgebildeten Funktionen was anderes als linear sein sollen.

Müller sieht einen Globalisierungs-„Zyklus“. Das kann man so mal annehmen, aber er blendet den technologischen Wandel komplett aus.
Denn auch der erste von ihm beobachtete Globalisierungsvorgang wurde eher durch einen zweiten Technologiewechsel als einen willkürlichen politischen Prozess beendet. Damals wie heute kehrten die Herstellungs-Prozesse zu einem tieferen Modell zurück. Auf Dampfmaschinen aufbauende Produktionen brauchten Brennstoff und für die Transmissionen große ebene Flächen, während Stahlproduktion und Verarbeitung Wasser und Gefälle brauchte, aber die Lokomotiven noch nicht wirklich in der Lage waren Rohstoffe über Steigungen zu bewegen, was erst ab 1902 mit Compound- und Sattdampf-Dampfmaschinen in Loks gelang. Mit der Elektrifizierung ab 1900 konnte man wieder mehrstöckige Produktionsstätten, dort bauen wo Stahl vorlag und tiefer produzieren. Außerdem machte Stahlguss das Produzieren einfacher brauchte aber bis in die 1890er, bis das Verfahren „im Griff“ war.

Die Situation ist heute ähnlich. Zum einen zerbrechen gerade durch Automation und intregrale Fertigung jede Menge Gatekeeper-Funktionen der Wirtschaft, denn die neuen Herstellungsweisen und -Technologien lassen die Herstellung beliebiger Produkte in beliebiger Skalierung zu.
Noch ist zum Beispiel 3D-Druck eklig teuer, aber ich muss keine Halle, keinen Werkzeugbau und keine Pressgussmaschine haben um Kunststoffteile herzustellen. Das geht zur Not in der Garage.
Erfolgreiche Kickstarter-Projekte zeigen, wie klein der erste Push sein muss um ein Produkt zu erzeugen. Mehr Marktteilnehmer bedeuten mehr Wettbewerb. Mehr Wettbewerb bei vergleichbaren Produkten bedeutet Preis-Wettbewerb. Preis-Wettbewerb führt zu tieferer Produktion.
Tiefe Produktion gewinnt auf lange Sicht immer. In Waiblingen ist immer noch der gleiche Schriftzug am Kettensägenwerk, während in Hamburg, wo man die Motoren von Kawasaki und Komatsu Zenoah bezog der neue Eigentümer nun bereits an der Farbe erkennbar ist. Somit ist es immer seltsam, wenn ein „Sanierer“ als erstes die Kapitalintensiven Produktionsanlagen verhökert.
Gleichzeitig hat die Politik sich zum anderen schlicht geweigert, das Denkmuster Rendite-Orientierung in Schranken zu weisen. Über Jahre. Jahrzehnte. Das Ergebnis war, dass Kaufmännische Tätigkeiten und „Besitz“ seit den 60er Jahren höhere Renditen erzielten als Produktion und Herstellung.
Das Modell verlängerte Werkbank und das Versagen, diesen Dschinn mit dem Instrument von Zöllen und Steuern in der Flasche zu halten, führte zum weltweiten Export von Defizit, Armut, schlechten Arbeitsbedingungen und Arbeitslosigkeit. Das Theoriemodell von Hayek gibt die Race-to-the-bottom als Ergebnis her, aber es wurde in Deutschland von allen Regierungen seit Schmidt schlicht hingenommen, oder wegen traditionell größerer Nähe der produktionsfernen und besitznäheren Wirtschaftsakteure (antisemitische Verschwörungstheorie-Kommentare in 3… 2… 1…) zur Politik sogar aktiv gefördert.
Wenn Müller einen Investitionspakt fordert, führt es nur zu weiterem Deficit-Spending. Gerade Deutschland macht über die EZB bereits zu viel davon und auch, wenn in Frankreich gerade die Straße kocht, wird man eben zunächst die Basisdaten (Arbeitsdauer, Renteneintrittsalter) anpassen müssen, bevor „Deutschland“ noch irgendwelche Instrumente in die Hand nimmt. Man kann einfach mal die Immobilienbesitzquote nehmen, wenn man schauen möchte, wer sein Volk noch nicht genug oder nach anderer Sichtweise zuviel geschröpft oder zu höherer Mobilität gezwungen hat. Solange mit zwei skandinavischen Ausnahmen alle Nettozahler in der EU unter und alle Bezieher über dem Durchschnitt brauchen wir über weitere Haircuts oder europäische Investitionsprogramme nicht reden.

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