Falk Dübbert ...

Feinstaubalarm in Stuttgart

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Wenn man als Hamburger nach Stuttgart kommt, fällt einem auf, dass es in Stuttgart weniger Fahrräder insgesamt und vor allem keine Rennräder oder Fixies zu geben scheint. Wenn, sieht man E-Reiseräder, und die Fahrer sind gut in Funktionsklamotten eingepackt. Das ist die eine Beobachtung.
Wenn man sich dann mit dem Fahrrad auch noch nach Stuttgart rein traut, hat man, selbst mit Erfahrungen als Kurierfahrer in Bielefeld und als Student in Hamburg, das unmittelbare Gefühl, die Verkehrsplaner haben zusammen mit den Autofahrern das dringende Bedürfnis, Radfahrer umzubringen.
So nervig er auch sein mag: das nächste, was in der ganzen Gegend auffällt, ist die Abwesenheit des straßenbegleitenden Radwegs. Er ist einfach nicht da. Es gibt ihn nicht in der Stadt und auch nicht in den Vororten.
Was einem vom Radroutenplaner als Radweg verkauft wird, sind zu weiten Teilen landwirtschaftliche Bewirtschaftungswege außerhalb und „Fußweg, Radfahrer frei“ innerhalb der Stadt. Das eine ist mit schlechter Belagsqualität, Umwegen und Schmutz verbunden und das andere bedeutet Schrittgeschwindigkeit. Es gibt ein paar Leuchtturmprojekte, wie das Radfahrer-Aquädukt und ein paar ausgeschilderte Radrouten, aber man merkt, dass man in Stuttgart in einer Auto-Stadt ist. Wo die Leute maximal Auch-Radfahrer sind.
Es gibt ÜBERALL Parkplätze für Autos. Ich habe nie weiter als 200m zu einem freien Parkplatz gebraucht.
Wenn ich aber in Möhringen am Ende der U6 einen Platz für mein Rad suche, bleibt es bei Zäunen und Verkehrsschildern.
Über den seitlichen Sicherheitsabstand, den die Autofahrer zu nichtmotorisierten dort als ausreichend erachten, habe ich bereits geschrieben. Das Verhältnis der Stuttgarter Autofahrer zu anderen Verkehrsteilnehmern könnte man als pathologisch bis behandlungspflichtig umschreiben und wäre in der Skala von „freundlich“ bis „rabulistisch“ immer noch bei „wohlwollend jovial“.
Das Problem, dass ich zum Beispiel in Zuffenhausen und Feuerbach sehe: Auch bei neuen Baustellen bleibt man sich treu und sieht Radverkehr allenfalls als lästig an. Baustellen beenden zuverlässig selbst schlechte Radwege. Auch die Stadt stellt gerne ein Hinweisschild für „Umsteigen“-Aktionen auf die Spur.
Es fehlt dazu vor allem eine sinnvolle und für Radfahrer im Verkehr erkennbare Beschilderung, denn die Navis bekommen, es auch nicht hin eine brauchbare Radroute anzuzeigen. Grüne Pfeile ohne Zielangaben helfen dem ortsunkundigen gar nicht und dass Filderstadt Rad fährt ist toll, aber ich hätte gerne ein Schild, dass mir sagt, wohin. Wenn ich von Zuffenhausen der Radroutenausschilderung entnehmen möchte, wie ich ins Zentrum komme, äh ja… Das sind Schilder nach irgendwelchen ____ingen, aber „Zentrum“ oder Hamburgisch „Centrum“? Es gibt ja nicht mal eine Ausschilderung von Möhringen nach Bonlanden. Da ist Nichts. Das bekommt selbst die notorisch Klamme Hedwig Holzbein mit den Steuereinnahmen von keinem Autohersteller und keinem Elektro-Großkonzern besser hin. In München kann ich vom Olympiapark in Moosach den Radweg nach Neuperlach finden ohne mein Handy auspacken zu müssen und Siri und Here versuchen mich nicht ständig in Kraftfahrstraßen zu schicken, weil jemand von der Stadt sich hingesetzt und den Kartenanbietern eine Einnordung verpasst hat. Vor der Anwendbarkeit der GPX-Files aus dem Radroutenplaner im Umfeld der Stuttgart21-Baustellen im Gegensatz dazu schreibe ich mal nichts, denn sie ist nicht gegeben.
Zu oft stand ich in meinen acht Versuchen plötzlich entweder vor einem Kraftfahrstraßen-Schild mit keiner erkennbaren oder praktikablen Alternative (beim Wagenburgtunnel müssen Radfahrer über den Berg obwohl darin kaum über 30 gefahren wird) oder vor einer Baugrube. Wir reden von einer Stadt, die seit fünf Jahren in grüner Hand ist.

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