Falk Dübbert ...

Wir ziehen keine voereiligen Schlüsse.

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In Deutschland sind die Insekten auf dem Rückzug und zwar alle. Angesichts der Magnitude dieser Entwicklung wäre es schon erstaunlich, WENN es eine monokausale dafür gäbe. 

Die deutschen Landwirte fallen vom Jammer- in den Verschwörungsmodus und zeigen deutlich an, dass sie an ihrer Art zu wirtschaften nichts ändern wollen. Ein paar Allgemeinplätzchen:

  • Anders als meine Lieblingspartei es nun behaupten wird, ist VW und der Diesel zunächst mal unverdächtig. 
  • Der Klimawandel würde eher zu mehr Insekten führen bzw. die Artengrenzen nach Norden verschieben. 
  • Die Vergrößerung der Flächen pro landwirtschaftlichen Betrieb führt zu allen möglichen Problemen. Die meisten haben mit der Uniformität und der Monokulturisierung zu tun.  Die Aufgabe der Zuckerquote ist so gesehen ein Schritt in die falsche Richtung. 
  • Es ist in der Landwirtschaft viel zu viel Stickstoff im Rennen. Selbst wenn es brachliegende Streifen gibt, dominieren dort (zumindest in Norddeutschland) Brennnesseln, Disteln und Brombeeren
  • Aktuelle Insektizide haben (völlig beabsichtigt) Depot-Wirkungen. 
  • Die EU hat bislang keinen Standard zum Nachweis der Bio-Selektivität der Insektizide durchgesetzt.
  • Die Verstädterung führt zum Wegfall vieler Gärten und selbst auf den Dörfern sind die meisten Gärten seit etwa 20 Jahren zunehmend pflegeleicht. 

Genau wie die Häuslebauer, Stadtkämmerer, Autofahrer oder Bausparer kommt erscheint da ein Licht am Ende des Tunnels für die Landwirte nur ist es in allen drei Fällen der entgegenkommende Zug und der Tunnel hat keine Fluchtnischen. 

Ich finde eher schon erstaunlich, dass die Landwirtschaft mit 25% der bestäubenden Insekten noch funktioniert und sogar durchschnittlich 2% Ertragssteigerung pro Jahr erzielte, wobei im Gemüse- und Obstbau mehr Geld in z.B. Hummeln gesteckt werden muss - und wird. Aber ich fürchte, dass es sich mit den Insekten verhält wie mit der Herzleistung oder Karies - wenn die Symptome offensichtlich werden, ist es viel zu spät. Wir haben noch das Glück, dass bislang "nur" der Messwert der Insektenmasse auffällt.  Um bei der medizinischen Analogie zu bleiben: Es ist egal ob die Insektizide ursächlich sind oder nicht; sie sind in jedem Fall jetzt nicht förderlich und außer für die wirtschaftlichen Interessen der Landwirte auch nicht notwendig. 

Ich rede weder den Grünen, ATAC noch der AfD gerne das Wort,  aber ich denke, dass wir in vielen Dingen die Schraube zurückdrehen müssen. Eine harte Re-Regionalisierung muss her. Es kann nicht sein, dass unveredelte Produkte wie Milch aus Italien nach Bayern transportiert wird. Damit würde auch der neuerlichen Konzentrationswelle, die durch die Lebensmittelwelt rollt, Einhalt geboten werden. 

Ebenso wird man prüfen müssen, ob man einseitige Betriebe noch fördern will. Der wichtige Punkt ist aber, dass man, egal ob es Glyphosat oder die Nervengifte in Pestiziden, hier mit ganz anderen Maßstäben anrücken muss. Es ist ja nicht mehr so, dass der Maikäfer oder Heuschrecken ganze Ernten vernichten und die Versorgung gefährden. Vielmehr handeln die Bauern in einer selbstgestellten Konkurrenz-Falle. Wenn alle auf die Pestizide verzichten, werden die Produkte entsprechend teurer und Umsatz und Gewinn sind wieder die gleichen. Natürlich werden die Landwirte dann wieder mit so unangenehmen Themen wie Personalbedarf konfrontiert werden, was sie in der jüngsten Zeit weggesprüht hatten.

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