Falk Dübbert ...

Einfach weniger fahren und mehr vertrauen.

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Aktuell kommen "von links" jede Menge Meinungsartikel, die unter anderem fordern, dass man "Diesel-Gichtlingen" auf keinen Fall die Stimme geben dürfe. Selbst im Bericht zum Kanzler-Duell der SZ, wird der Satz der Kanzlerin, dass der Diesel zwecks Erreichen der Klimaziele gebraucht werde, als "auffallend widersprüchlich" bezeichnet. 

Die Kanzlerin hat Chemie studiert und auf einem mathematischen Niveau promoviert, das man mit dem geballten Sachverstand in Stöchiometrie und Energiebilanzrechung, den man durch ein Studium der neueren deutschen Literatur, allgemeinen Rhetorik, Komparatistik und Skandinavistik erlangt, natürlich nicht vergleichen kann. 

Aber um die Sache zu kürzen: rein auf CO2 bezogen, hat die Kanzlerin recht und Herr Lindner auch, selbst wenn die AfD eine ähnlich Argumentation vorträgt und alle die dieser Linie zustimmen eigentlich niemals Recht haben dürfen und schon sowieso gar nicht wählbar sind. 

Das Elektroauto hat nur einen kleinen Meta-Vorteil, nämlich die Umweltbelastung aus den Hot-Spots der Städte heraus zu verlagern. Für die Grünen, die sich ja hauptsächlich von Stimmen besserverdienender Städter ernähren, ist es also folgerichtig, mehr Elektroautos zu fordern. Aber in der CO2- und Wasser-Gesamtbilanz, deren Klimafolgen meist zuerst Landwirte, Flussanwohner oder Afrikaner und Ozeanier treffen, sehen die Elektroautos gegen einen Diesel sehr alt aus. Es ist ja nicht nur der "Schweden-Report", der die Elektroautos zum Problem werden lässt sondern die weiter zunehmende bewegte Masse. Mehr Masse bedeutet mehr Feinstaub durch Gummiabrieb, Bremskörperverbrauch, Straßenverschleiß und Vibration. Somit verlagert sich durch die E-Autos nur der Stickoxid und CO2-Ausstoß aus der Stadt. Der Feinstaub bleibt weiter anwesend. 

Der Ansatz mit E-Mobilität etwas bewegen zu wollen setzt zu spät und zu technisch an. Es ist immer wieder interessant, dass zunehmend eher MINT-ferne Argumentatoren technische Lösungen für ein verschlepptes gesellschaftliches Problem fordern. Die Digitalisierung könnte nämlich dazu führen, dass weite Teile der Mitarbeiter sich den Arbeitsweg sparen können. Statt einen Tag Homeoffice könnten es vier Tage sein. Bei 40% Büroangestellten würde das 24% weniger Berufsverkehr in den Städten und 80% weniger benötigten Büroraum bedeuten.

Statt also einfach den Rechtsanspruch auf HomeOffice, der de facto nichts außer Überwindung kostet, in den Bundesanzeiger zu schreiben, wird eine technische Lösung für ein Problem gesucht, das eigentlich eher ein Vertrauens- und damit ein gesellschaftliches Problem ist. Es ist das Mistrauen der Arbeitgeber, das sich in den Köpfen der Politiker und Journalisten als Normal festgebrannt hat, das hier wie im Gesundheitswesen hohe Kosten verursacht. 

Durch die Möglichkeit der Arbeitgeber eine ärztliche Krankmeldung am ersten Tag zu verlangen, wird der häufige Arztbesuch normalisiert. In Skandinavien sind Eigenatteste üblich. Der Missbrauch dürfte kaum höher als Fehlatteste durch in der Regel stadtweit bekannte Doc Hollidays sein. Zumindest ist der Krankenstand nicht signifikant höher als der deutsche. 

Bauen wir (als "die Gesellschaft") dieses Mistrauen ab, lösen oder erleichtern wir gleich mehrere Probleme:

  • Die Städte werden leerer und damit günstiger.
  • Die Städte haben weniger Hub in ihrem Verkehrsprofil.
  • Die Schadstoffbelastung insgesamt nimmt ab. 
  • Die Gesundheitskosten sinken. 

Andererseits gibt es viele, die an diesem Problem gut verdienen und die sind gut vernetzt. 

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