Falk Dübbert ...

“Recruiting-Unternehmen” vs. Unternehmen direkt

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Ich habe gerade eine Jobsuche hinter mir und wollte euch die Daten nicht vorenthalten.

 

Der Bewerbungsprozess lief in 3 Phasen ab:

  1. normale Bewerbungen mit einem Foto vom Fotografen im Einkaufszentrum über Portale und Links auf Karriereseiten.
  2. Automatisiert über Monster und Stepstone mit einem Roboter
  3. Handgebaut mit tiefgreifender Recherche über das Zielunternehmen, einem sehr aufwändigen Foto und gestalteten Unterlagen.

Insgesamt wurden 143 Bewerbungen verschickt. 42 habe ich selbst verfasst und der Rest wurde von einem Halbautomaten verschickt, der im Wesentlichen ein Greasemonkey- bzw. Tampermonkey Skript ist

 

Vorneweg: Bewerbung 4.0 mit Robotern funktioniert nicht wirklich. Auch wenn eure Programmierskills noch so toll sind und weder Xing, Monster noch Stepstone weder Scraping noch Robot-inputs wirklich verhindern, sind die Ergebnisse allesamt mau. Ich habe den Roboter auch nur auf die Stellen losgelassen, für die ich sonst keine Zeit eingesetzt hätte.

 

Grundsätzlich muss man für einen Jobwechsel mehr Zeit einplanen, als man es von anderen Prozessen im Geschäftsleben gewohnt ist. Von der ersten Bewerbung bis zur Vorlage von ersten Angeboten vergingen bei mir 12 Wochen und meine Zusage gab ich nach 15 Wochen.
Ich habe insgesamt drei Angebote abgelehnt. Eins wegen der Arbeitsbedingungen, eins wegen Rückziehern gegenüber den Zusagen in den Gesprächen und eins, weil ich woanders unterschrieben habe.

Reaktionszeit (Mensch, nicht autoreply)

Bewerbung

Unternehmen

Unternehmen

HR-Dienstleister

HR-Dienstleister

Reaktionszeit in Wochen

Max 3

4 bis 8

Max 3

4 bis 8

über Job-Portal

40%

20%

100%

0

Automatisiert über Job-Portal

20%

16%

40%

20%

per E-Mail

22%

47%

73%

19%

per Bewerbungssystem bei Dienstleister

31%

56%

100%

0

Über Selbstgehostetes Portal

18%

73%

100%

0

Die Masse der Unternehmen antwortet in der sechsten Woche. HR-Dienstleister am sechsten Tag.

Einladungsquote

Bewerbung

Unternehmen

HR-Dienstleister

„Hand“-geschriebenes Anschreiben, gestalteter Lebenslauf, einfaches Foto

16%

20%

Automatisiert über Job-Portal, Studiofoto

12%

14%

„Hand“-geschriebenes Anschreiben, Studiofoto, gestalteter Lebenslauf

71%

75%

generiertes Anschreiben, Studiofoto, gestalteter Lebenslauf

31%

66%

HR-Firmen laden mehr und schneller ein und haben in der Regel auch alle sehr ähnliche Abläufe, an die man sich anpassen kann. Selbst die Büros sehen bei denen alle gleich aus und sind in der gleichen Gegend. Das nimmt erheblich Nervosität aus den eigentlichen Gesprächen, führt evtl. aber zu einer falschen Routine. Schließlich würde man einen erfolgreichen Ablauf nur einmal ausführen. Die Erstgespräche mit HR-Dienstleistern lassen keine Bewertung zu, ob das ein Erfolg wird. 

 

Die Qualität des Anschreibens ist bei HR-Dienstleistern nicht ganz so relevant, wie bei in-House-HR, was bitte niemand als Aufforderung verstehen sollte, die Dienstleister mit “Sehr geehrter $Anrede1, ich habe Ihre Anzeige auf $Plattform gefunden und möchte mich hiermit auf §Stelle bewerben.” zuzuspammen.

 

Ich “fühle”, dass bei einer über einen Dienstleister ausgeschriebenen Stelle das Gehalt eher ein Punkt für einen Mismatch sein kann, kann dies aber nicht mit Daten belegen. 

 

Grundsätzlich merkt man schon, dass etliche Fimen zum Teil auch Behörden sich zunehmend von formalen Anforderungen oder deren strengen Auslegung loslösen. Das mag eher an der zu nehmenden Verzweiflung der IT-Verantwortlichen liegen, als daran, dass Querwandern und eine Kurve machen im Bologna-Prozess eher möglich ist als in Diplomprüfungsordnungen.

Es aber auch durchaus noch den Personaler, der sich die 20 Jahre alten Abiturnoten vornimmt und dazu strenge Fragen stellt (“sehr gut” in Literatur passt aber nicht zur Deutsch-Note). Interessanterweise konnte man vom Stil der Gespräche ziemlich sicher auf den Tenor der Glasdoor- oder Kununu-Bewertungen schließen. Wenn das Vorstellungs- und Bewerbungsgespräch schon schiefhängt, solltet ihr einfach gehen. Ebenso, wenn die Frage nachdem Abgang des Vorgängers, falsch, wachsweich oder ausweichend beantwortet wird.

 

Auch wenn die SPD/Grüne-Politik gerne die “anonyme Bewerbung” einführen möchte:

 

Ein gut gestaltetes Anschreiben und gutes Foto darin ist in Deutschland immer noch das wichtigste Element in einer Bewerbung. Handwerkliche Qualität und Arbeitszeit kosten. Ein gutes Foto sollte eine Stunde nicht unterschreiten. Auch das Layout des Lebenslaufs ist entscheidend, der Autor soll sich quälen und nicht der Leser. Man sollte hier auf drucksichere Formate setzen.

 

Ich habe mich am Ende für eine Stelle entschieden, die von Anfang an einen guten Eindruck machte. Zusagen und Termine wurden eingehalten und man aktzeptierte, dass ich meine Unterlage nicht in die E-Mail sondern einen Cloudspeicher gelegt habe. Alle Gespräche fanden offen und auf Augenhöhe statt.
Das Unternehmen hat selbst gesucht und wirkt, trotz oder gerade wegen Verzicht auf Social-Media in allen Belangen authentisch.

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