Falk Dübbert ...

Der Marsianer

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Ich habe gestern The Martian geschaut, und “ja!” ich habe das E-Book vorher gelesen. Ich habe bewusst auf die BD gewartet, weil die Kinos in Hamburg klangtechnisch einfach nur abstinken. Die UCI-Kinowelt dröhnt und schafft es nicht den Ton von den Boxentürmen hinter der Leinwand zu lösen. Das Cinemaxx geht den Bose-Weg und versucht fehlenden Oberbass mit Lautstärke zu kompensieren.

Ridley Scott hat sich sehr viel Mühe gegeben, den O-ton von Matt Damon ohne einen Kunstgriff sauber zu fangen und auch Michael Peña, Chiwetel Ejiofor oder Sean Bean, dessen Rolle ausnahmsweise mal nicht stirbt, sind es wert gehört zu werden.
Klanglich ist der Film sicher klasse gemacht. Visuell merkt man die Handschrift von Scott und seiner bewährten Truppe. Vor allem den Stil von Janty Yates und Marc Homes erkennt man wieder.

Der Film fügt dem Buch keine weiteren groben Handlungsschwächen hinzu, jedoch sollte man Andy Weirs Vorlage nicht zu hoch hängen, denn es gibt schon ein paar Schwächen. Die Größte dürfte sein, dass die Pflanzen mit Herrn Watney um den Stickstoff in der Luft konkurrieren und bei der Menge Kartoffeln entweder Sauerstoff oder CO2 deren Masse in der Atmosphäre der Station auffüllen würden. In 80% Sauerstoff reichen statische Entladungen um Papier anzuzünden und bei mehr als 10% CO2 auch “no more humans”. Das Buch geht auch nicht auf Elektrolyt- und Spurenelementmangel ein, der die Kartoffel-Diät nach ein paar Wochen beendet hätte, denn Kartoffeln enthalten Phytinsäure. Phytinsäure ist zwar für einen Marsianer nützlich, da auf der Mars-Oberfläche selbst mein altes KSMG 1/1 aufgrund der Gammaleistung der Oberfläche Boogie-Woogie tanzen würde, aber sie hemmt neben der Aufnahme von Isotopen auch die aller Spurenelemente vor allem Zink. Nebenbei würde eine Mars-Station bei Ankunft der bemannten Missionen bereits seit Jahren von Robotern betrieben worden sein.

Das Haupt-Problem des Films ist, dass der Handlungsbogen schon dreimal erzählt wurde Red Planet, Apollo13 und Gravity sind recht dicke Brocken. Apollo 13 hat den Vorteil zu 95% non-fictional zu sein. Gravity ist hingegen das Eye-Candy schlechthin.

Matt Damon ist ein Stück zu alt für die Rolle. Am Anfang wirkt er etwas aufgedunsen – keine Ahnung was Frau Yates damit sagen will. Er wirkt in der Gruppe ein wenig wie ein Fremdkörper, wobei Peña nicht viel jünger ist und man bei der NASA immer noch mit End-Vierzigern als Mars-Astronauten plant, da die Strahlung auf dem Mars die Langfristprognose bezüglich Krebs erheblich verschlechtert.

Ich kann den Film durchweg empfehlen. Er unterhält sehr gut und hat ein versöhnliches Ende. Er ist aber nicht mind-blowing.

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