Falk Dübbert ...

178 von 187

| Keine Kommentare

image

Für jemanden, der normalerweise für den ersten Server in einem Server schon eine virtuelle Maschine hochzieht, mag das jetzt wie eine Kapitulationserklärung klingen: Ich habe anwendungsspezifische Notebooks. Dummerweise sind ein paar von Lenovo.

Ich habe ein Notebook mit dem Office-Gedöhns und für Video- und Fotobearbeitung, eins zum Auflegen und Programmieren der Lichtanlage, ein kleines mit Touch zum Chatten und Surfen und eins mit vielen Schnittstellen und abwaschbarem Gehäuse. Dazu kommen noch zwei Windows8-Tablets.

Nun hat sich Lenovo den dritten Bock in kurzer Zeit geschossen. Ich gehe nicht mehr davon aus, dass irgendeine aktuelle Software bei Lenovo irgendwann mal ein Review überstanden hat. Im Grunde ist der Vertrauensvorschuss spätestens seit dem Umdrehen des Thinkpad-Logos auf dem Deckel dahin bzw. das Umdrehen zeigt an, dass Lenovo die eigene Marke wichtiger ist, als der Kunde, der das Notebook gekauft hat. Es scheint zunehmend uninteressant zu sein Hersteller physischer Dinge zu sein. Alle wollen nur noch “Clouds”, “Lösungen” und Software verkaufen. Lenovo verkauft gleich seine Kunden mit an ein richtig fieses Werbenetzwerk. Als Lenovo dabei erwischt wurde, bekam man die PR-Version von Reue zu lesen. Die angekündigte Sorgfalt und der Fokus auf die Sicherheit der Kunden hielt aber nicht lang genug an um die Kunden vom BIOS-Rootkit zu befreien, ohne erwischt zu werden. Jetzt der nächste Einschlag in Lenovos ShareIt-Anwendung, die unabhängig vom Betriebssystem immer unsicher ist.

Da fragt man sich schon, durch was der Preisaufschlag noch gerechtfertigt sein soll: Die Verarbeitungsqualität geht bei schlechterer Ersatzteilversorgung spürbar zurück. Kundenwünsche werden zunehmend hinter Designinteressen gestellt (einfach mal Touchpad oder Ultranav suchen). Dazu kommt der im Schulterschluss mit Microsoft vorangetriebene Versuch des Vendor-Lock-Ins mittels immer schwieriger zu tötendem UEFI-Secure-Boot. Es gibt zunehmend Notebooks, auf die man nur mit großen Anstrengungen andere Betriebssyteme installieren kann und die großen Hersteller spielen da ganz vorne mit. Man kommt sich zunehmend vor wie der brave Blu-Ray-Käufer, der neben “Raubkopierer sind böse” noch 22 Minuten Trailershow ansehen muss und die Extras nicht in Originalsprache angezeigt bekommt, obwohl die Audiospur mit auf dem Datenträger ist.

Ich frage mich, wie lange es dauert, bis “die Industrie” große Kundenschichten nicht mehr erreichen kann, weil diese sich mit Lippenbekenntnissen nicht mehr abspeisen lassen und nachhaltige Geräte kaufen. Andererseits kaufen “die Leute” immer noch iphones – da ist also noch ein weiter Weg.

Ich habe die beiden Lenovos nun komplett ohne jegliche Lenovo-Software neu aufgesetzt, die jeweiligen Treiber habe ich von den Chipherstellern bezogen oder das belassen, was Microsoft per Windows Update installiert.

Leider bekamen sie beide den totalen Update-Schlag über den Kopf, weswegen die Aktion dann doch 20 Stunden dauerte. Bislang hielt ich die Berichte über die Wirkung von Bloatware auf Notebooks immer für übertrieben, weil ich die Notebooks auch nie wirklich an ihre Leistungsgrenze brachte und stets faul von Hersteller-Images aufsetzte. Jetzt habe ich leere 1TB-SSDs eingebaut und beide Notebooks haben in der Windows Leistungsbewertung 0,2 Punkte bzw. 0,3 Punkte mehr erreicht. Seltsamerweise passierten die Steigerungen in Bereichen, die eher nicht von den Änderugen betroffen sein sollten.

Keine Kommentare

    Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.