Falk Dübbert ...

Sachkenntnis und Zurückhaltung

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Mich regt die deutsche Presse mal wieder auf. So sind jetzt wieder gerade die Zeitungen, die sonst eher mit Anti-Militarisch auffielen besonders Phantasie-voll.

Wenn ich "alter Fliegertrick" oder "Die F-16 schlichen sind unbemerkt heran." lese, platzt mir der Draht aus der Mütze. Die Journalisten beziehen ihr Wissen wohl von Opa ("Ex-Militärpilot"), der im zweiten Weltkrieg mit der He-111 unterwegs war.

"Unbemerkt heranschleichen" gibt es im Luftkampf nicht. Meist ist in einem quasi symmetrischen Luftraum-Konflikt das Flugzeug mit der längeren Sensorikreichweite das, das am Himmel bleibt. Die F-16 der Türkei sind allesamt auf recht hohem Stand. Ich würde anhand der Form der Nase, der Geometrie der Lufteinlässe und des "Gold-Cockpits" sogar davon ausgehen, dass es nicht nur kampfwertgesteigerte sondern neue, nach deutlich 1995 gekaufte, F-16 sind. 1996 bekam die F-16 einiges von den in der F-22 verwendeten Stealth-Technologien ab. Das auffälligste Merkmal ist die breitere Nase und die Gold-bedampfte Cockpithaube.

Die breitere Nase der F-16 trägt ein passiv geschwenktes Radar mit Signatur-Verschleierung in sich und das Cockpit bzw. dessen Bedampfung soll verhindern, dass sich Radarstrahlen in den kantigen Strukturen darin verfangen. Die F-16 ist das Work-Horse in jeder Luftwaffe, die sie nutzt. Da sie sowohl Luft- als auch Bodenkampf-fähig ist und als einmotorige Maschine preiswert fliegt. Sie ist aber so modern, dass es außer Full-Stealth und nachbrennerlosem Überschallflug keine wesentlichen Neuerungen gibt, als dass sie in einem Konflikt versagen würde.

Die Su-24 Nato-Codename "Fencer" ist vom Entwurf her schon Jahre älter als die erste F-16. Sie ist sogar älter als das MRCA / Tornado. Auf den Bildern aus Syrien sehe ich nur Ur-Fencer (große Funkantenne außen am Rumpf, kleines Fahrwerk, keine Verdickung an den Flügelenden). Sie ist SEHR groß und schätzungsweise im Einsatz, weil sie sehr lange in der Luft bleiben und während dessen viele Bodenziele angreifen kann. Außerdem dürfte es sich um die Teile der russichen Luftwaffe handeln, die bereits echte Kampferfahrung mit genau diesem Gerät haben. Das Radarsystem ist aktiv geschwenkt und aus den 70ern.

Wenn man sich Luftkampf wie in TopGun vorstellt liegt man daneben. Bodennähe Flugzeuge haben noch eine klitzekleine Chance auf einen Fliegertrick aus den 80ern, nämlich so nah am Boden zu fliegen, dass eine Infrarot-geführte Rakete die Reflektion auf dem Boden als am nächstem liegenden Ziel angreift. Aber in der Tendenz sind alle Flugzeuge in einem symmetrischen Konflikt BVR-fähig. BVR steht für Beyond Visual Range und bedeutet eben, dass der Luftkampf stattfindet bevor ein Pilot den Gegner überhaupt gesehen hat.

Hier steigen zwei moderne F-16 mit BVR-Fähigkeiten, modernem Radar und teilweisen Stealth auf und treffen auf einen riesigen Bomber aus den 1970er Jahren, der fast so lang ist wie ein Linienbus. Es braucht da keinen "alten Fliegertrick" oder ein "heranschleichen". Das Radar der F-16 hat 150 km mehr Reichweite und auch das Verhältnis der Rückstrahlflächen liegt so sehr daneben, dass die F-16 den Fencer bekämpfen kann hat bevor die Russen die F-16 überhaupt bemerken konnten.

Wenn der Radartrack der Türken stimmt, hat der Fencer die Grenze schon Minuten vorher provoziert. Ein vollbewaffnetes Flugzeug fliegt auf eine Grenze eines Landes zu, das Wochen zuvor schon ein UAV abgeschossen hat und echt angepiet ist? Da muss schon echt viel Testosteron im Vodka sein.

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